Sashs Blog

Herzlich willkommen in meinem Blog!

Ich schreibe hier über unterschiedlichste Dinge, deswegen möchte ich allen Interes-senten an einem bestimmten Thema nahelegen, sich in diesem Fall ein Stückchen unter diesem Text die betreffende Kategorie anzeigen zu lassen. Wer dies unterlässt, muss auch den ganzen anderen Mist lesen...

PS: Ihr könnt gerne auch ältere Beiträge kommentieren, denn ich bekomme so oder so eine eMail!

Gästebuch

Neueste Kommentare

Profil

  • : Sash
  • sash
  • : männlich
  • : 12.11.1981
  • : Berlin Germany Europe Earth
  • : Linker Spinner mit wenig Geld und einem Hang zum Zynismus. Dennoch lebensfroh und gutmütig. Ist das hier ne Kontaktanzeige? :)

Organisatorisches

Feeds

  • RSS feed of articles

Politik

BGE - Bedingungsloses Grundeinkommen. In den letzten Monaten, ja fast schon Jahren geistert der Begriff immer mal wieder durch die Medien. Die Idee wurde oft bewundert und exakt genauso oft schnell verworfen, da unmachbar. Zurzeit läuft eine ePetition, die ich mitgezeichnet habe, auf die ich an dieser Stelle gerne hinweisen möchte. Das ist schnell gemacht, einziges Manko ist, dass man sich auf der Seite des Bundestages anmelden muss, um das zu tun. Hab ich halt nen Bundestags-Account, warum auch nicht?

Aber gut, es ist vielleicht etwas dreist, so einfach zu etwas aufzufordern, ohne Infos zu geben. Der Text zur Petition ist recht kurz, und um es gleich zu sagen: Über die Höhe des Betrages und die Steuerreform, die da noch angesprochen wird, lässt sich streiten. Ich hoffe, dass das Thema wenigstens weiter im Gespräch bleibt und sich ein paar Verantwortliche vielleicht einmal Gedanken darüber machen, ohne gleich zurückzuschrecken vor der Radikalität der Idee.

Worum geht es eigentlich?
Das bedingungslose Grundeinkommen wäre ein Einkommen, dass der Staat zahlt. Und zwar jedem Bürger. Einfach so. Bedingungslos - wie der Name es schon sagt. Das heisst: Jeder, egal ob er arbeitet oder zuhause fernsieht, bekommt vom Staat einen Betrag gezahlt, der deutlich höher ist als ALG oder ALG2.
Was zunächst völlig bekloppt und unbezahlbar klingt, hat aber tatsächlich einige Vorteile.
Zum einen wird damit auf der Stelle die Stigmatisierung von Arbeitslosen aufgehoben. Denn jeder bezieht von da an Staatskohle - ob er will oder nicht, ob er reich ist oder arm. Von diesem Geld kann man im Großen und Ganzen vernünftig leben - und gerade Familien profitieren davon, weil jedes Mitglied das Geld bekommt.
Da kommt natürlich eine unglaubliche Summe zusammen, die heute bei weitem nicht bezahlbar wäre. Das Schöne ist aber, dass auch Unsummen eingespart werden könnten. Nicht nur bräuchte man kein HartzIV mehr bezahlen, nein man könnte die komplette Agentur für Arbeit inklusive aller Mitarbeiter und Gebäude außer Dienst nehmen. Elterngeld fällt weg, Kindergeld, ein enormer Teil der Rente - inklusive aller dafür zuständigen Ministerien und Ämtern.
Da selbst das noch nicht reichen würde, könnte man aber die Steuern anpassen. Warum nicht eine Lohnsteuer von 75%?Schließlich muss man nicht mehr von seinem Lohn leben, sondern man verdient ihn sich für den eigenen Luxus dazu - da sind Steuern eigentlich kein Problem. Ich bin Raucher, ich kenne mich mit solchen Steuern aus...

Ein weiterer fantastischer Nebeneffekt wäre die langfristige Umgestaltung bei den Löhnen: Jobs, die niemand gerne macht (man braucht sie ja nicht zum Leben) würden mit der Zeit besser bezahlt, in anderen Branchen würden die Löhne sinken - aber auch nur bis zu dem Punkt, an dem niemand mehr den Job machen will.

Die Gegenargumente sind meist folgende:
  1. Es ist nicht finanzierbar.
  2. Dann würde ja keiner mehr arbeiten...
  3. Man kann ja gar nicht abschätzen, wie sich das langfristig entwickelt.
Zu 1.: Ich weiss es nicht. Umfassende Berechnungen habe ich noch nicht gefunden. Die meisten Rechnungen, die das beweisen wollen, greifen das Einsparpotenzial nur zum Teil auf, vergessen z.B. regelmäßig die Rente und die ganzen Bürokratiekosten. Ebenso wird nicht erwähnt, wie sich das Modell mit einer stärkeren Besteuerung von Arbeit oder sonstigem Luxus verhält.
Zu 2.: Es ist albern! Muss ich einfach so sagen. Wenn jemand gerade ein Monatseinkommen von 2500 € netto hat, dann wird er den Teufel tun, und sagen "Och, eigentlich reichen mir 1500 ja auch..." Natürlich wird es diese Bevölkerungsgruppe geben, bei der sich das einstellen wird. OK, aber zum einen ist keineswegs sichergestellt, dass sie im derzeitigen System lange Arbeit haben, und außerdem  haben sie genug Geld in der Tasche, um fleißig mit zu konsumieren und so einen Teil wieder zurückzuzahlen.
Zu 3.: Wie schön. Wie sieht es denn mit dem aktuellen Modell aus?

Was aber in meinen Augen die besten Vorteile sind, das ist zum Beispiel das viele ungenutzte Potenzial, das (unter Umständen, zugegeben) frei werden kann. Viele Menschen hätten erstmals die Möglichkeit, sich umfangreich ehrenamtlich zu betätigen (was in der Praxis auch wieder Geld spart) und der Untergang der Hochtechnologie würde wahrscheinlich schon dadurch verhindert, dass mancher sich nun fern von Leistungsdruck seinen Studien und Experimenten widmen könnte. Vom zu erwartenden Aufschwung im künstlerischen Bereich gar nicht zu reden.
Und wenn erst einmal jeder vom Staat eine konkrete Leistung erhält, würde sich wahrscheinlich auch das Verhältnis zwischen den "Volksvertretern" und der Bevölkerung ein wenig normalisieren können.

Aber gut, das war jetzt viel Utopie, und auch wenn es so klingt: Ich halte das Grundeinkommen nicht für den Ersatz einer gesellschaftlichen Umstrukturierung. Ich halte es eben für eine, selbst in der heutigen Welt, unter dem System des Kapitalsmus, machbare Verbesserung, die vielleicht sogar dazu dienen könnte, in meinen Augen veraltete Denkstrukturen anzugreifen, langfristig zu ändern.
Weg vom Gedanken, dass nur der was wert ist, der arbeitet.

Ich hab hier mit Sicherheit einige wichtige Punkte vergessen, bestimmt auch Gegenargumente. Nehmt es nicht als Vertuschungsversuch, sondern sprecht es an.
Donnerstag, 5. februar 2009

Kommentare (6) - Kommentar hinzufügen
Also irgendwie ist diese Welt komisch. Ich hatte vor Ewigkeiten ja bereits geschrieben, dass mein Arbeitgeber Fördergelder für meine Stelle bekommt - weil er mich aus dem Millionenheer an HartzIV-lern rekrutiert hat. Genau genommen habe ich mich nur ins Millionenheer an HartzIV-lern eingereiht, damit mein Chef Fördergelder bekommt, aber das ist nebensächlich.
So sieht es jedenfalls aus. Nun, der Antrag ist offenbar durch, ich habe einen Durchschlag zum Bescheid gekriegt. Dort ist selbstverständlich auch die Summe genannt, die mein Arbeitgeber nun erhält. Wenngleich mir die mögliche Höhe der Zuschüsse bekannt war, so hat mich die Höhe dann dennoch ein wenig erstaunt hinterlassen:

780 € / Monat

Das heisst: In trauter Zweisamkeit zahlen der deutsche Staat und die EU gerade monatlich 780 € dafür, damit ich keine 533 € ALG2 kriegen muss...
Geht's noch? Ich wollte mich schon lange mal aus der Sicht eines Nutzniesers über bekloppte Gesetze beschweren, dann das nimmt dann auch den letzten Zweifel von einem, man beschwere sich ja nur, weil es einem nicht passt. Ich meine: Bei meinem Arbeitgeber ist die Kohle gut aufgehoben - mir ist es nur recht, dass das Geld da hingeht. Und an der Stelle meiner Chefs würde ich das auch ausnutzen. Keine Frage. Wenn das Geld in der öffentlichen Hand bleibt, stecken die es doch überwiegend in sinnfreie Projekte. Ich halte zumindest so einiges für sinnfreier als das Unternehmen meines Chefs.
Natürlich ist die Schaffung eines neuen Arbeitsplatzes mit einem gewissen Geldaufwand verbunden. Das stelle ich nicht in Frage. Es sind Einarbeitungen nötig, die Produktivität neuer Mitarbeiter ist meist nicht so hoch wie die der erfahrenen Leute... da kommt natürlich eines zum anderen.
Nun bin ich aber der Meinung, dass das zwar alles schön und gut ist, es aber völlig der derzeitigen Logik widerspricht, das zu subventionieren. Immer wieder wird einem dieses kapitalistische System verkauft als fairer Markt, der sich mehr oder minder von selbst reguliert. Ich finde, Einzelheiten wie diese Fördergelder strafen diesen Glauben Lügen. Wenn das System so funktionieren sollte, dann braucht es derartiges nicht. Genausowenig wie Subventionen für Milchbauern, Atomkraftwerke oder Steinkohleabbau.
Bereiche, in die der Staat massiv eingreifen muss, weil sie ohne seine Hilfe nicht existieren können, haben eigentlich - nicht nach meiner Überzeugung, sondern nach der unserer Gesellschaft - keine Daseinsberechtigung. Nach meiner Ansicht ist das Augenwischerei.
Verdammt, natürlich lohnt es sich nicht, in Deutschland Steinkohle abzubauen. Aber anstatt den verbleibenden paar tausend Kumpel eine fürstliche Rente für ihren früheren Beitrag zur Wirtschaft zu zahlen, und die Abbaugebiete vom Wechselgeld in Naturschutzparks umzubauen, beschließt man lieber, gegen jegliche Vernunft, Millionen an Subventionen zu bezahlen, um sagen zu können: "Wir produzieren ja auch selber!"
Aber da sind wir wieder beim leidigen Thema, ob jemand - auch wenn er nicht arbeitet - ein Auskommen verdient hat.
So engagiert sich der Staat also einmal mehr für mich in finanzieller Hinsicht, ohne dass ich das nachvollziehen kann. Aber bitte! Was liegt näher? Ist doch allemal besser, als den ganzen faulen Arbeitslosen auch nur einen Cent zuviel zu bezahlen.

Bin ich der einzige, der das für asozial hält?
Sonntag, 25. januar 2009

Kommentare (4) - Kommentar hinzufügen
Sehr geehrte Mitbürger und Mitbürgerinnen,
im Namen meiner selbst darf ich verkünden: "Herzlich willkommen am Arsch!"
Wir sind endlich angekommen im "Krisenjahr 2009", ausnahmsweise haben sich mal alle vor Silvester gefürchtet und viele haben insgeheim gehofft, dass die Kinder dieses Jahr tatsächlich Weihnachtsbaum und Wohnung abfackeln, damit auch ja nichts mehr zu verlieren ist, wenn das böse 2009 erst einmal da ist. Die Welt steckt in der Wirtschaftskrise, in der schwersten Rezession aller Zeiten, und auch sonst sind die Zeiten natürlich hart. Sollte die vom Spiegel erwähnte Summe von 23 Billionen verheizten Euro weltweit stimmen, dann hat jeder Mensch auf der Welt statistisch gesehen ein paar tausend Euro Miese gemacht in den letzten Monaten. Da mein Dispo schon am Anschlag ist, wurde mir glücklicherweise nichts abgebucht - ich nutze diese Ansprache also auch, um dem Aktienhändler zu danken, der vorsorglich meinen Teil mitbezahlt hat.
Wobei?
Ist nicht dieser ganze Pessimismus fehl am Platze? Ist da nicht letztlich Geld vernichtet worden, über das wir uns zuvor niemals freuen konnten, weil wir ja gar nichts davon hatten?
Eigentlich könnten die meisten von uns froh sein, weil wir nie da mit drin gesteckt haben. Aber wie erwähnte Volker Pispers einst: "Wenn du denkst: Blöder geht's nicht mehr, kommt von irgendwo ein Merkel her!" Die selben Menschen, die vor einem Jahr einen staatlichen Eingriff in die Wirtschaft noch als Kommunismus gegeißelt hätten, zaubern nun Abermilliarden aus dem großen schwarzen Hut. Die erste Hoffnung, dass es sich dabei um die schwarzen Kassen der Regierungsparteien handelt, war aber schnell zerstoben, und so wird es wohl doch die zähe Masse unserer Steuergelder sein, mit deren Hilfe die zerbrochenen Ming-Vasen der deutschen Wirtschaft gekittet werden. 2009 werden deutsche Vorzeigeunternehmen staatliche Hilfe bekommen. Unternehmen, deren internationale Aufstellung als krisensicher gefeiert wurde. Unternehmen, die beständig Leute entlassen haben, um in Krisenzeiten zu überleben.
Und nun?
Ganz offensichtlich funktionieren selbst einige Vorzeige-Konzepte nicht. Große Unternehmen wie Opel sind nicht in der Lage, mit ihrem eigenen Wirtschaftskonzept zu überleben. Um ein Minimum an Sozialverträglichkeit solcher Konzerne zu garantieren, hat der Kapitalismus eigentlich eine schöne Dynamik in solchen Momenten entwickelt: Diese Konzerne sind mit gutem Recht pleite gegangen und von der Bildfläche verschwunden.
Aber jetzt haben wir das Jahr 2009!
Im Krisenjahr 2009 darf ein Konzern nicht untergehen. Zumindest nicht, wenn sein Ruf völlig ramponiert und die Wirtschaftsdaten ansprechend desaströs ausfallen. Deswegen ja Krisenjahr! Für den Rest der Bevölkerung! Ein paar Milliarden Euro werden im Laufe dieses Jahres wahrscheinlich in die halblebigen Hüllen jener "Vorreiter" und "Genies" gepumpt, die es ermöglicht haben, über Jahrzehnte die Illusion aufrecht zu erhalten, das Ganze funktioniere wenigstens, wenn man sich anstrengt.
Was daraus resultieren wird, ist noch nicht absehbar. Ob die Rente deswegen 2 Jahre früher abgeschafft wird, oder man sich überlegt, ob es wirklich noch staatlich geförderte Schulen braucht, all das, was die eigentliche Krise erst zu einem persönlich nach Hause trägt, werden wir wahrscheinlich nicht in diesem tollen Krisenjahr erleben. Wahrscheinlich erleben wir die Rettung "wichtiger Traditionsunternehmen" und eine Menge Jubel im Wahlkampf, weil unser fantastisches Land die Wende in der schwersten nur denkbaren Zeit geschafft hat. Die aufgeschobenen Probleme, die Tatsache, dass das gesamte Hintergrundsystem nur noch künstlich beatmet wird und der Strom für die Maschine langsam ausgeht - davon werden wir wahrscheinlich nur wenig hören.
Oder um es vorweg zu nehmen: Es ist doch alles gut, die Wirtschaft wächst wieder!
Die tiefsten Kessel mit Giftjauche werden weiter im Hintergrund umgerührt werden, und vielleicht geht es ja noch ein paar Jahre gut. Bitte wenigstens bis zur nächsten Legislaturperiode. Schuld sind am Ende sowieso nur die, die nicht mehr da sind. Und dann wird es heißen: "Herzlich willkommen am Arsch!"

In diesem Sinne: Happy New Year, dear World!
Donnerstag, 1. januar 2009

Kommentare (10) - Kommentar hinzufügen
Insbesondere mein alter Freund Daniel hat angefragt, ob ich nicht mal wieder was zu aktuellen Vorkommnissen, z.B. der Freilassung von Christian Klar, schreiben könnte. Heute kann ich mal, denn ich habe anderthalb Tage frei :)
Den meisten Lesern wird bekannt sein, dass ich mich selbst als radikalen Linken betrachte, und insofern wird meine Meinung dazu nicht überraschend ausfallen. Irgendwie sehe ich da aber keinen Zusammenhang. Ja, wenn ich in den 70er Jahren gelebt hätte, dann wäre wohl auch ich einer derjenigen gewesen, der der RAF heimlich Sympathie entgegengebracht hätte. Habe ich aber nicht.
Die aktuelle Debatte, die einmal mehr vom von mir ausgiebig gehassten Springer-Blatt Bild ständig neu entfacht wird, hat auch eigentlich nichts damit zu tun. Scheiß auf die RAF, auf alle Erklärungen, politischen Instrumentalisierungen oder dergleichen! Selbst wenn ich behaupte: Klar ist ein Mörder, dessen Motive mal völlig egal sind, dann kann ich die Freilassung nicht verurteilen! Ich kann es einfach nicht. Ich weiss über Klar nicht viel, aber ich kann verraten, dass er mir so aus der Ferne nicht unbedingt sonderlich sympathisch ist. Dabei sollten in meinem Fall all die negativ ausgelegten Dinge, wie z.B. dass er seine kapitalismuskritische Meinung nicht abgelegt hat, eher das Gegenteil bewirken. Aber wie eingangs erwähnt: Es spielt zur aktuellen Thematik keine Rolle!
Christian Klar hat mehr Zeit hinter Gittern verbracht, als ich mir vorstellen kann. Meine bisherige Zeit auf diesem Planeten deckt sich etwa mit der Haftzeit Klars. Bei allem Verständnis für die Gefühle der Opfer kann ich mir kaum ein Verbrechen vorstellen, das eine derartige Bestrafung als zu gering erscheinen lässt. Die Frage nach der verbleibenden Gefährlichkeit Klars wurde offenbar mehrfach "eindeutig" beantwortet, immerhin muss selbst Bild schreiben, dass die Gutachter davon ausgehen, dass er keine "Senioren-RAF" gründen wird. Mal ganz davon abgesehen, dass die RAF bei der heutigen Technik des - Achtung: Böses Wort! - Überwachungsstaates keine Chance mehr hätte - und sich Klars Wissen diesbezüglich dank seiner Haft als rudimentär, oder zumindest defizitär erweisen dürfte, solle er eine derartige Aktion tatsächlich in Betracht ziehen.
All die tapferen Bild-Leser, die ausgerechnet mit der Freilassung Klars "das Ende des Rechtsstaats" herbeischwadronieren, oder auch nur "Zweifel" an ihm aussprechen, würde ich gerne einmal nach 26 Jahren Haft zum selben Thema befragen.
Im Falle Klar wird hier oftmals ein primitives, zumindest bei uns längst überwundenes Prinzip der Justitz ausgegraben, das der "spiegelnden Strafe". Während dahergeredet wird, dass Klar noch viel zu gut wegkommt bei der Geschichte, weil seine Opfer immerhin tot sind, so wird doch gegeißelt, wenn in einigen arabischen Ländern Dieben die Hand abgehackt wird. Aber in Wahrheit ist es genau das, was viele der oft lautstarken Fraktion doch gerne fordern würden: "Todesstrafe für Kinderschänder!", "Mindestens lebenslang (und zwar wörtlich) für Klar" und zumindest "Arsch versohlen" hat so mancher "Krawallo" auch verdient.
Wie so oft in der radikalen Linken, spaltet hier die Gewaltfrage die gesamte Gesellschaft, und ich bin schockiert darüber, wie manch Muttchen, das noch einen Krieg zu erleiden hatte, bereits wieder für die Gewalt plädiert. Vielleicht ist Christian Klar ein Irrläufer. Vielleicht hat er eine bekloppte politische Meinung. Das kann alles sein. Aber wenn man schon der Meinung ist, man solle seine Morde nicht mit Politik rechtfertigen, dann sollte man auch akzeptieren, dass er immer noch eine subversive Meinung hat, und dennoch mit weit über 20 Jahren Knast für seine Verbrechen ausreichend bestraft worden ist.
Die Justiz in Deutschland hat nicht das Ziel zu bestrafen - das sollten sich einige Leute mal vor Augen halten - sondern die Straftäter in die Gesellschaft wieder einzugliedern. Und ich hoffe, ich bin nicht der einzige, der sich fragt, wie das mit mehreren Jahrzehnten Freiheitsentzug funktionieren soll. Was soll das Geunke darüber, dass Klar einen Praktikumsplatz im Berliner Ensemble angeboten bekommen hat - noch dazu mit der Berufung auf irgendein ominöses Recht, dass offenbar Menschen, die eine falsche Entscheidung getroffen haben, zu verbannen hat?
Es ist in meinen Augen extrem asozial, einem wie Klar jetzt auch noch die zweite Chance vermauern zu wollen. Ich möchte ihn nicht bedingungslos als Opfer darstellen, aber wenn ich lese, wie viele Jahre er im Knast saß, dann schiele ich nicht nur auf eine ominöse Zahl. Dann denke ich auch darüber nach, was das bedeutet. 26 Jahre kein Abend mit Kumpels in der Kneipe, keine vernünftige Beziehung, keine Chance sich auszusuchen, wo man neue Freunde kennenlernt. 26 Jahre lang Überwachung bei jedem Schritt, Einschränkungen des Briefgeheimnisses, Ausschluss von allem kulturellen Leben. 26 Jahre lang kein Essen nach eigenem Wunsch, keine Chance sich selbst in irgendeiner Form selbst zu verwirklichen. Ohne selbst einschlägige Erfahrungen gemacht zu haben, ist mir bewusst, dass Gefängnis nicht nur bedeutet, mal auswärts schlafen zu können. Wieviel Hass - und ich erinner daran, dass man genau das Christian Klar vorwirft - muss man besitzen, um zu behaupten, dass so eine Strafe noch zu gut ist?
Montag, 22. dezember 2008

Kommentare (6) - Kommentar hinzufügen
So, nachdem die Sache im Laufe des heutigen Tages wohl ausgestanden sein dürfte, meldet auch der Sash sich zur Heil-wikipedia-Mann-Geschichte (oder so ähnlich) zu Wort.
Für alle, die dieses Abenteuer verpasst haben: Am 13. November hat Lutz Heilmann, Abgeordneter der Linken, mit einer einstweiligen Verfügung dafür gesorgt, dass die Seite www.wikipedia.de nicht mehr auf die Inhalte von de.wikipedia.org verlinken darf. Die Begründung ist, dass in seinem Lebenslauf einige Details nicht stimmen, oder er sie nicht gerne dort lesen will. Was genau der Fall ist, weiss ich nicht, die Medien meiner Wahl schweigen aus rechtlichen Gründen beharrlich über die genauen Textpassagen. Ob es jetzt um die Stasi-Vergangenheit Heilmanns oder einem (angeblichen?) Mitwirken an einem Sexshop geht, weiss ich also nicht sicher zu sagen, im Grunde ist mir das auch egal. Die Sexshop-Geschichte finde ich persönlich weniger spannend als die Stasi-Stationen Heilmanns, aber aus der linken Ecke dürfte dem Mann selbst diesbezüglich manchmal ein eisiger Wind umwehen.
Viel interessanter an dieser Geschichte ist, dass Heilmann sich in einen Kampf geschmissen hat, der gleichermaßen wenig nachvollziehbar, als auch hochgradig bekloppt war.
Wenig nachvollziehbar ist er in meinen Augen, weil wikipedia ein grundsätzlich demokratisches Medium ist, bei dem man es sicher bisweilen als einzelner schwer hat, falsche Aussagen zu ändern, ich aber vermute, dass Heilmann als Betroffener selbst mit entsprechenden Gegenbeweisen ein leichtes Spiel gehabt hätte, unwahre Sachverhalte endgültig zu klären.
Hochgradig bekloppt war es zudem, weil eine Sperre der wikipedia.de-Adresse etwa so viele praktische Auswirkungen hat, wie wenn man in Künzelsau ein Tempo-100-Schild aufstellt, um das Rasen auf deutschen Autobahnen zu verhindern. Wie erwähnt: Die Inhalte, an denen sich Heilmann (ich hab mich gerade vertippt, und Heulmann geschrieben) stört, liegen unter de.wikipedia.org. Nicht nur, dass das die meisten Nutzer von wikipedia wissen - nein, es stand auch auf der zum Zeitpunkt der Sperre vorgeschalteten Seite bei wikipedia.de. Natürlich ohne Link ;)
Über Suchmaschinen wie google konnte der entsprechende Eintrag also jederzeit aufgerufen werden, ebenso wie durch die Eingabe de.wikipedia.org statt der .de-Adresse.
Inzwischen sind wohl Passagen aus dem Artikel gelöscht worden, Heilmann bedauert inzwischen seine Verfügung, weil sich die Dinge (Oh Wunder!) zu seinen Ungunsten entwickelten. Die Internet-Welt schrie auf: "Zensur!" Mit diesem Vorwurf kann man sich als Ex-Stasi-Angehöriger sicher auch im politisch eher lethargischen Deutschland schnell selbst von der Tagesordnung streichen. Dazu überrollte den wikimedia e.V., der die technisch gesehen völlig unbedeutende gesperrte Seite betreibt, eine massive Spendenflut (laut spiegel.de stieg das Aufkommen von ca. 3500€/d auf 16000€/d), teilweise mit der Begründung seitens der Spender , Heilmanns Attacke für ungerecht zu halten.
Da die geschäftliche Weisheit "Any promotion is good promotion" nur eingeschränkt auf das politische Tagesgeschehen zu übertragen ist, wird Heilmann es inzwischen wohl bedauern, plötzlich einer der bekanntesten Politiker Deutschlands zu sein.
Der Fairness wegen muss man sich natürlich ungeachtet der vielleicht nicht sympathischen Gestalt Heilmanns fragen, inwiefern sein Anliegen ("Wahre Tatsachendarstellung") gerechtfertigt war. Selbstverständlich ist es nicht in Ordnung, wenn Lügen über Menschen verbreitet werden - insbesondere bei einem Portal wie wikipedia, das eine hohe Popularität und auch Glaubwürdigkeit genießt. Genau genommen ist dies für beide Seiten eher schädlich. Die Keule mit der Staatsanwaltschaft muss meines Erachtens nach dennoch nicht gleich als Begrüßungswerkzeug ausgepackt werden. Zumal im Falle der Richtigkeit der Daten der Versuch einer forcierten Manipulation durchaus als Zensur gewertet werden kann.
Ich gewichte den Schutz der Privatsphäre hoch - auch wenn das nicht immer erkennbar ist. Dass aber bei Politikern - ob zu Recht oder zu Unrecht, das sei mal dahingestellt - auch der persönliche Werdegang in eine Wahlentscheidung einfließt, das ist so neu nun auch nicht. Insofern kann man schlecht argumentieren, dass diese Infos irrelevant sind.
Der Ausgang der Geschichte scheint klar zu sein. Im Laufe dieses Tages werden die Anwälte Heilmanns wohl ihre Maßnahmen zurückziehen, alles wird wieder wie früher. Ich könnte mir zudem vorstellen, dass ich dieses Wochenende gleichermaßen das erste, wie auch das letzte Mal von einem gewissen Lutz Heilmann gehört haben werde, einem Politiker der Linken, der einst bei der Stasi war und vielleicht sogar mit Sexspielzeug Geschäfte gemacht hat. Würde mir nichts ausmachen!
Montag, 17. november 2008

Kommentare (2) - Kommentar hinzufügen
Barack Obama ist also der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Wenn man die Auswahl McCain contra Obama als gegeben sieht, dann bin ich natürlich froh, dass es so gekommen ist. Und natürlich ist es bisher einmalig, dass ein Schwarzer Präsident in den USA geworden ist. Juhu!
Ich gönne Obama den Wahlsieg, und wenn man ihn so sieht, dann scheint er ja auch ein sympathisches Kerlchen zu sein. Aber ich muss doch - hierauf haben wieder alle meine Leser gewartet - ein bisschen gegen diese "Obamania" anzukämpfen versuchen. Dieser Mensch hat es nun geschafft, Präsident zu werden. Dafür hat er x Millionen US-Dollar aufbringen müssen, und sich geistig herablassen müssen auf die Ebene, die das amerikanische Wahlvolk haben möchte. Von nun an ist er "der mächtigste Mann der Welt", gewissermaßen das Leitbild (ich wollte nicht Führer schreiben) der westlichen Welt.
Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht der Meinung bin, dass irgendeine einzelne Person überhaupt einen derart wichtigen Posten besetzen sollte, möchte ich doch auch einmal daran erinnern, dass der amerikanische Präsident zwar viel zu viele Freiheiten besitzt, dass dieses Amt aber auch aus Obama - selbst wenn er ein netter Kerl sein sollte - einen von Lobbyisten getriebenen Irgendwer machen wird.
Obama mag die bessere Wahl gewesen sein in einem System, das nur zwei Alternativen vorsieht. Das will ich nicht bestreiten. Aber ob es wirklich etwas aussagt, dass Barack Obama nun gewählt wurde, dass wage ich zu bezweifeln.
Natürlich liegt das einfach nur in meinem sehr linken Naturell, dass ich auch im Erlöser selbst  wieder das Böse sehe, aber man darf ja gespannt sein, wie sich das alles entwickeln wird.
Ganz im Ernst: Die Welt wird keine andere werden, nur weil Obama nicht so blöd ist, jedes mit den Geheimdiensten zu findende Fettnäpfchen mit einem Tritt hinein zu beehren. Dass mit Bush ein wirklich exorbitant blöder Präsident nun 8 Jahre das Land regiert hat, spielt sicher eine Rolle im Bezug auf die Frage, wie positiv Obama bewertet wird.
Aber: Reicht das aus für dieses Amt in diesen Zeiten?
Ich bin gespannt darauf, in vier Jahren einmal zu sehen, wie es mit dem Klimaschutz, der Armutsbekämpfung und dem Rassismus in den USA aussieht. Weltweit natürlich auch.
Aber ich glaube, dass all das "Yes, we can!", all der "Change" nicht so kommen wird, wie viele glauben. Obama ist ein neuer Präsident. Er wird hoffentlich vieles besser machen als sein recht stupider Vorgänger, aber ich glaube nicht daran, dass er ernstlich was ändert. Ehrlich gesagt wäre ich hier froh über einen Gegenbeweis...
Donnerstag, 6. november 2008

Kommentare (0) - Kommentar hinzufügen
Wenngleich das taz-Interview mit Wolfgang Schäuble schon fünf Tage alt ist, so möchte ich doch gerne hier noch einmal den letzten Satz rezitieren, da er meiner Meinung nach alles auf den Punkt bringt:

Wolfgang Schäuble:
"Den Rechtsstaat macht aus, dass Unschuldige wieder frei kommen!"

Na da bin ich ja froh!

Sonntag, 19. oktober 2008

Kommentare (2) - Kommentar hinzufügen
Gestern, am 11.10.2008, war hier in Berlin wie mindestens jedes Wochenende mal wieder eine Demo. Gegen überbordende Überwachung. Ich hab anlässlich des Termins der Demo das Thema vor kurzer Zeit hier schon einmal angesprochen. Inhaltlich muss ich eigentlich nicht mehr viel dazu sagen...

Zur Demo selbst: Es waren hammerviele Leute. Natürlich ist in den Augen eines Teilnehmers jeder Nicht-Teilnehmer einer zu viel, aber für ein Thema, das vor 10 Jahren allerhöchstens die militante Linke aus ihren Verstecken gelockt hat, waren es enorm viele.
Wieviele? Hmm... da gehen die Meinungen auseinander. Als ich am Brandenburger Tor stand, erzählten die Veranstalter noch was von 100 000 Menschen. Das war sicher etwas zu hoch gegriffen. "Weniger als 20 000" hat die Polizei gezählt - was sicher tiefgestapelt ist. Meine wirklich unprofessionelle und dilettantische Einschätzung liegt zwischen 50 000 und 80 000.  Aber selbst wenn es 40 000 gewesen sein sollten, so kann man doch von einer großen Demo sprechen.

---Kurzer Einschub---
An alle Menschen, die "offizielle" Zahlen rausgeben: Bleibt bei der Wahrheit! Und wenn die lautet "Ich schätze, es waren...", dann lautet sie eben so. Und wer will denn nachher belächelt werden, wenn die Zahl nachweislich nicht stimmt? Dass die Veranstalter gerne immer 100 000 Teilnehmer hätten, ist ja ok. Aber warum behaupten, dass so viele da waren? Um sich anhören zu müssen, dass man überheblich ist? Und die Herren der Polizei: Welchen Zweck erfüllt es, jede Teilnehmerzahl abzurunden? Ist das ein Teil des Konzeptes, mit dem für Ruhe gesorgt wird? Es geht mir auf den Keks, wenn ich weiss, das irgendwo ziemlich genau 80 Leute waren und dann in der Zeitung lese, die Polizei berichtet von 20 Leuten und die Veranstalter von 200...
Ganz im Ernst: Zahlen erfinden kann ich auch!
---Ende des kurzen Einschubs---

Das Tempo war gemächlich, die Lautstärke abgesehen von Musik und Animateuren eher verhalten. Dennoch denke ich, dass eine derartige Demo ihre Wirkung schon alleine aus der Masse heraus gewinnen kann. Bunt war die Demo definitiv, die Ideen zu Transpis, Kleidung und verschiedenen Aktionsformen waren beachtlich. Zwar hat das Thema auch den ein oder anderen Verschwörungstheoretiker angelockt, die waren allerdings in der Minderheit. Ich kann zwar nicht behaupten, dass mir alle Parolen aus der Seele gesprochen hätten, oder dass ich auch nur verstehen könnte, warum Dr. Motte ein großangekündigter Überraschungsredner war. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich die Geschichte von Love- und Fuckparade und das politische Engagement Dr. Mottes nur schemenhaft kenne.
Die Route der Demo war grundsätzlich nicht sonderlich schlecht. Etwas sonderbar war es halt, dass man - vermutlich aus organisatorischen Gründen zuletzt fast einen Kilometer durch den menschenleeren Tiergarten latschen musste, was nicht gerade motivierend ist.
Die Polizei war grundsätzlich zurückhaltend, was aber nicht heißt, dass sie das illegale durchgängige Filmen der Demonstration unterlassen hat. Ich hab mich zu guter Letzt dann dennoch ziemlich über die Cops geärgert, weil sie aus purer unverfälschter machthaberischer Arroganz allen "ehemaligen Teilnehmer" der Veranstaltung untersagt haben, den Platz der Republik Richtung Bahnhof zu überqueren.

Der Platz der Republik (in gesperrtem Zustand)

Quelle: Sashs Cam

Für alle, die glauben, ich hab denn Sinn des Ganzen vielleicht verkannt: Der Platz war  insgesamt recht gut bevölkert, er war von der anderen Seite aus nicht abgesperrt und es war auch nicht so, dass sie verhindern wollten, dass da 1000 Leute eine unangemeldete Demo veranstalten, sondern es wurden kleine Fünfergrüppchen nach Jackenfarbe und Alter einfach mal gesagt, dass sie nun außenrum gehen müssen. Da war ihnen wohl gerade einfach danach... und sowas kotzt mich an - nicht die 200 Meter Fußweg, sondern die Tatsache, dass mir ein dämlicher Proll grundlos vorschreiben darf, auf welchem Weg ich laufe.
Naja, abgesehen davon war es ein netter Spaziergang mit teilweise ähnlich gesinnten, den ich zwar - ich lebe hier ja  schon seit ein paar Jahren - nicht für den Aufbruch in eine bessere Zeit halte, aber wenigstens für eine moralische Rechtfertigung, es auf legalem Wege versucht zu haben...

So, jetzt werde ich fast schon wieder wütend, was nicht gut ist. Denn für Revolutionen bin ich heute Abend eigentlich zu müde. Ich hab den gestrigen Tag mit 2 Stunden Schlaf überlebt, heute sackviel gelernt und genieße es jetzt ein bisschen, hier am PC Schmand zu bloggen. So denn...

Sonntag, 12. oktober 2008

Kommentare (0) - Kommentar hinzufügen
In Anbetracht der gesellschaftlichen Erwartungen, die an öffentliche Kommentare gestellt werden, kann natürlich auch ich mir nicht erlauben, über Tote Negatives zu berichten. "Über die Toten nur Gutes..." ist das Credo, und das setze ich erstmals um mit meinem Nachruf auf Jörg Haider:
















Danke fürs Lesen.
Sonntag, 12. oktober 2008

Kommentare (6) - Kommentar hinzufügen
Nun haben Politiker und Banker offenbar doch noch das nötige Kleingeld ausgegraben, um auch die neuen Finanzlöcher der Hypo Real Estate zu stopfen. Ein hartes Ringen und Feilschen war es wohl, und am Ende kann die Regierung sowohl verkünden, dass die Bank wohl gerettet werde, sowie dass der Steuerzahler nicht mehr zahlen muss, als bisher - sollte die Bürgschaft überhaupt je fällig werden.
Ich persönlich stehe der Sache ziemlich skeptisch gegenüber. Nicht der, dass sich die Banken - wie jetzt beim neuen Paket - gegenseitig unter die Arme greifen, sondern der Tatsache, dass tatsächlich der Staat für diese Unternehmen einspringt.
In gewisser Weise ist das natürlich positiv. Der Staat greift ein, um noch schlimmeres Unheil abzuwenden. Damit steht die Politik für Fehler ein, die sie eigentlich nicht selbst gemacht hat - und das zum Wohle aller. Wenn man das so vereinfacht sagen will. Das ist eine Form der Zusammenarbeit, die ja eigentlich wünschenswert ist.
Aber irgendwo stellt sich mir dann doch die Frage, wieso das erst funktioniert, wenn es ums "große" Geld geht. Ich meine, wenn ich das mal aus der Sicht eines häufiger von Finanzproblemen geplagten Menschen sehe, dann muss ich doch sagen, dass man als einfacher Mensch erfahrungsgemäß im Falle eines "Liquiditätsproblems" zu allerletzt auf die Hilfe von Staat oder Banken hoffen kann.
Wenngleich ich mich gerne der Polemik verwehre, so stellt man an diesen Punkten doch fest, dass einem offenbar eher geholfen wird, wenn man sowieso schon ganz oben steht. Natürlich ist die Pleite von Karl Klempner ums Eck nicht so gefährlich für die Gesellschaft als Ganzes. Aber erstens braucht dieser zur Sanierung auch nicht gleich mehrere Milliarden, und es ist insbesondere frech, die Nichteinmischung des Staates in die Wirtschaft zu einem Prinzip zu erklären, wenn man offenbar seinen Job nur beschissen genug machen muss, um dieses Prinzip auszuhebeln.
Aber ich bin denkbar schlecht geeignet, hier die Moralkeule auszupacken, da mich inzwischen ein gewisser Zynismus prägt, der dazu führt, dass ich die Meinung vertrete, die Wirtschaft verdient es vielleicht einfach auch, mal auf dem Hintern zu landen. Die Hoffnung, dass kleine, freiwillige Reformen das System soweit ändern, dass es nicht mehr pervers ist, habe ich eigentlich aufgegeben. Vielleicht wäre ein Neuanfang doch keine so schlechte Idee. Naja, so wie es aussieht, arbeiten die Menschen weltweit an diesem Konzept. Ich bin und bleibe gespannt.
Montag, 6. oktober 2008

Kommentare (2) - Kommentar hinzufügen
Hallo Herr Schäuble!
Sorry, der Gag ist inzwischen zwar fast verboten alt, aber ich konnte ihn irgendwie nicht links liegen lassen. Am 11. Oktober findet in Berlin einmal mehr eine Demo gegen den Überwachungswahn statt. Ich habe vor, hinzugehen, und dementsprechend kann ich das ja auch kund tun - schließlich halte ich es für eine gute Sache.
Nun habe ich hier im Gegensatz zu alten Blogs von mir ein Problem: Ich habe inzwischen einen ganzen Haufen Leser, der nicht - wie ein guter Teil meines Freundeskreises - aus der linken Szene kommt. Allzu viele Konservative oder gar Rechte werden sich zwar sicher nicht finden, aber irgendwie habe ich den - vielleicht und hoffentlich unbegründeten - Verdacht, dass der ein oder die andere sich wundert, weswegen ich bisweilen mit radikal linker Propaganda auffalle. Nun, ich interessiere mich nun einmal für Politik, für Wirtschaft, für Medien und die Gesellschaft. Ich habe mir meine Meinung gebildet, und ich bin im Nachhinein froh, dass dies abseits von CSU-Parteitagen oder gar den Bierzelten der freien Kameradschaften war.
Ich bezeichne mich selbst als radikalen Linken, wenngleich ich noch nie einen Polizisten geschlagen habe, alle kommunistischen und sozialistischen Systeme für menschenfeindlich und Oskar Lafontaine für ein Arschloch halte. Ich glaube nicht einmal daran, dass alle Politiker Deppen sind, die viel zu viel Geld fürs Nichtstun kriegen, und ich bin mir sicher, dass wir nicht gezielt von irgendeiner dubiosen Organisation oder Wirtschaftsverschwörung verarscht werden.
Ich glaube eigentlich nur, dass Menschen meistens egoistisch sind.
Das alleine reicht meiner Meinung nach mit ein bisschen evolutionärem Wachstum aus, um die offensichtlich unbefriedigende Gegenwart zu erschaffen.
Und eigentlich will ich nur, dass es irgendwann wenigstens für die paar armen Idealisten, die sich nicht deswegen präventiv einsperren lassen wollen, einen wirklichen Raum gibt. Ich hab die Welt nicht erfunden, und ich hab nicht alles von ihr gesehen. Vielleicht bin ich ja der Irre, weil ich es mir vorstellen kann, mit anderen friedlich zusammenzuleben, aber irgendwie liegt es wohl tief im menschlichen Innern, die Hoffnung nicht aufzugeben.
Genau deswegen will ich auch nicht widerstandslos hinnehmen, dass mich ein frustrierter Rollstuhlfahrer* auf Schritt und Tritt überwacht. Ich gebe im Internet eine ganze Menge preis von mir. Ich bin zweifelsohne ein offener, kommunikativer Mensch. Irgendwo habe ich allerdings auch Grenzen, und ich sehe einfach nicht ein, diese niedrige Hürde jetzt zu Boden zu schmeißen, damit irgendein Dr. S. darüber hinweg rollen kann.
Ich bin ein mäßig begabter Arbeitsloser mit Abitur, und ich bin mir sicher, dass ich es auch nach Einführung der Online-Durchsuchung schaffen würde, eine Bombe zu bauen und einzusetzen, wenn ich mich denn trauen würde es vorhätte.
Aber interessiert das gerade noch? Geht es wirklich darum bei all den Vorhaben? All das, was gerade in Planung ist oder in den letzten Jahren an Möglichkeiten zur Überwachung geschaffen wurde, wurde doch nur durchgesetzt, um den aufgeschreckten Menschen zu suggerieren, dass mit dem nächsten Schritt garantiert endlich alles sicher sei. Warum denkt denn da niemand drüber nach? Selbst das Leben in einer hermetisch abgeriegelten Gummizelle kann noch ein vorschnelles Ende nehmen - wenn zum Beispiel die Belüftung versagt.
Absolute Sicherheit ist eine Utopie. Man kann sich ihr vielleicht asymptotisch annähern, aber das war es dann auch schon wieder. Doch je näher wir uns dieser tollen Sicherheit nähern, desto lebensunwerter wird die Welt, weil sämtliche Freiheiten auf dem Weg verloren gehen.
Mal ein seltenes Beispiel zum Thema Sicherheit und Lebensqualität: Ich und mein Bruder sind schon seit inzwischen weit über 10 Jahren leidenschaftliche Gelegenheits-Dartspieler. Wir haben uns aber damals alleine keine Darts kaufen dürfen - die gab es nämlich nur im Waffengeschäft.
Der ein oder andere mag das für unsinnig übertrieben halten, denn wer beschwert sich denn bei den aktuellen Debatten? Vermummte Demonstranten! Da haben wir's doch!
Nun muss ich gestehen: Ich war auch schon vermummt auf Demonstrationen. Und ich wäre es heute noch - aber leider lassen sich 2,03 m nicht mehr so locker mit einer Vermummung verstecken. Falls es irgendeinen interessiert: Ich war nie vermummt, um unerkannt Steine zu werfen oder Polizisten zu schlagen. Ich habe mich über dieses Verbot, bei öffentlichen Veranstaltungen das Gesicht zu verdecken, hinweggesetzt, weil die Polizei sich ihrerseits über das Verbot hinwegsetzt, Demonstrationen präventiv zu filmen. Und: Wenn sie sich über dieses Verbot ständig hinwegsetzen, wer garantiert mir dann bitte noch die Löschung, die nicht erfolgende Auswertung? Ganz abgesehen davon, dass ich nie vorhatte, in einer Liste der Anti-Antifa mit einem Portraitfoto aufzutauchen.
Und dieses "Wer nichts getan hat, der hat auch nichts zu befürchten" kann ich nicht mehr hören. Ich möchte auch mit einer zerissenen Hose nicht gefilzt werden. Genau wie jeder Anzugträger auch. Ich will nicht, weil ich auf einer linken Demo Fotos mache, dass die Cops meine Unterwäsche in meiner Wohnung durchwühlen. Genau wie jeder CDU-Wähler auch.
Nachdem ich - noch mit langen Haaren - binnen "kürzester Zeit" die fünfte Drogenkontrolle bei der Arbeit (als Fahrer) hatte, habe ich den Beamten mal gefragt, ob sie eigentlich extra Langhaarige anhalten. "Wir haben da unsere Kriterien", hat er immerhin zugegeben. Respekt! Die einzige Droge, die ich regelmäßig konsumiere, ist Alkohol - und ich hab nicht ein einziges Mal blasen müssen. Stattdessen in Hinterhöfen unter Aufsicht in ein Becherchen pinkeln. Oder Verrenkungen machen, die ich auf einer Party spaßeshalber nach 9 Bier noch hingekriegt habe. Das hat der Sicherheit enorm geholfen, denn sie hatten ja ihre Kriterien. Und die waren ähnlich sinnig, wie all die, die jetzt eingeführt werden.
Was würde ich wohl an Privatsphäre einbüßen, wenn ich Achmed heißen würde, und mir mein reicher iranischer Onkel jedes Jahr 15.000 € schicken würde, damit ich im schönen Deutschland ungestört und ohne BaFög studieren könnte?
Ich will es mir nicht einmal ausmalen!
Und glaubt mir: Wenngleich ich hier offen über meine finanziellen Verhältnisse und meine WG schreibe, wenngleich ich meine Meinung zu gesellschaftlichen Themen kundtue und vielleicht sogar das ein oder andere Mal ein paar Worte über meine Freundin verliere... dann heisst das noch lange nicht, dass es tolerabel wäre, ein paar Beamte in Pullach oder eben hier in Berlin zu wissen, die sich darüber unterhalten, ob das mit meiner Freundin denn ernst wäre, weil in den letzten drei von mir heruntergeladenen Pornos nur blonde Frauen vorkamen. Wenngleich dieses Beispiel fiktiv war, so macht es doch hoffentlich klar, was ich meine.
Meine Finanzen beispielsweise sind zwar mager, aber noch letztes Jahr habe ich trotz einem monatlichen Einkommen von unter 1000 € ein Geflecht von 8 Konten. Das war Verplantheit kombiniert mit einem sehr gut organisierten Leben (Sparkonten, geschäftliche Konten, Gehaltskonto, Privatkonto, WG-Konten etc...)
Was glaubt ihr, was ich froh bin, dass ich deswegen bei der Agentur für Arbeit keinenTermin hatte. Das hätte ich doch jemandem mit anderem Lebensstil kaum begreiflich machen können, ohne dass der vermutet, ich will irgendwas verschleiern.
Und jeder von uns hat so seine Macken, die einem vielleicht bei falscher Betrachtungsweise falsch ausgelegt werden könnten.
Sollte es irgendwann einmal hier in der Gegend einen Massengentest geben, dann könnt ihr sicher sein, ich gehe nicht hin. Ich verbürge mich meinetwegen, auffindbar zu bleiben, bis sie den Kinderschänder oder whatever gefasst haben - aber ich werde nicht so blöd sein, mich in eine Datenbank eintragen zu lassen, bei der ich nicht weiss, ob in zehn Jahren nicht doch meine Krankenkasse Zugriff drauf hat, welche mir dann per Formbrief erklärt, dass  ich in drei Jahren wegen der genetischen Veranlagung ein Pflegefall bin und sie mich deshalb ausschließen. (Das war überspitzt, ich geb's zu!)
Und damit bin ich in meinem Freundeskreis schon heute eine Ausnahme: Die meisten wurden nämlich unter Zwang (ja, ich meine körperliche Gewalt) erfasst, weil sie die Dummheit besaßen, sich irgendwo auf Demos einkesseln und festnehmen zu lassen.
Ist es wirklich so verwerflich, dagegen zu sein? Öffne ich grenzenloser Brutalität und Kriminalität die Türe, nur weil ich der Meinung bin, die Gesetze gehen schon viel zu weit? Ich glaube es nicht, denn wenn Überwachungskameras erfolgreich wären, dann wären doch seit mindestens zehn Jahren wenigstens die Bahnhöfe und Flughäfen völlig entkriminalisiert. Dass dem nicht der Fall ist, verleitet mich zur Annahme, dass es immer wieder Gewalt aus dem Affekt heraus geben wird, gegen die Prävention machtlos ist.
Also lassen sie mir doch bitte meine Freiheiten, Mister Wheelchair!!!

Ich dachte, ein eigener Text ist sicher überzeugender als ein paar oft gehörte Phrasen, deswegen hier noch einmal:

Demo in Berlin
11. Oktober 2008
Treffpunkt: 14.00 Uhr Alexanderplatz
www.freiheitstattangst.de

* Ich habe nicht vor, Herrn Schäuble auf seine Verletzung zu reduzieren und ich habe vier verdammt geile Arbeitsjahre im Behindertenfahrdienst hinter mir und seitdem wirklich die Vorurteile gegen Behinderte besiegt. Anspielungen lediglich auf die geistigen Schwachstellen - um die es natürlich geht - wären schlicht und ergreifend zu uneindeutig, um viele leicht verständliche Synonyme für diesen Menschen zu finden, deswegen habe ich so oft auf seinen Rollstuhl angespielt.

Dienstag, 30. september 2008

Kommentare (8) - Kommentar hinzufügen
Ich bin vielleicht ein bisschen langsam, aber immerhin hab ich Becksteins Rechenaufgabe lösen können.

*stolzbin*

Sorry, ich will eigentlich nicht sonderlich viel zur Bayern-Wahl sagen. Die meisten werden es vermuten: Das Ergebnis der CSU finde ich richtig gut. Weniger hätte ich nicht zu hoffen gewagt, und vielleicht haben wir ja Glück, und es wird ein langfristiger Trend ;)
Ach so, wenn wir schon bei Wahlen sind: Seit 10 Jahren und einem Tag sind wir die Bundesbirne Helmut Kohl los, und er ist immer noch nicht wiedergekommen. Ich werde immer beruhigter...

PS: Das ist keine Meinungsbekundung zu den jeweiligen Gegnern. Die haben es bisher auch immer geschafft, mich zu enttäuschen...
Sonntag, 28. september 2008

Kommentare (16) - Kommentar hinzufügen
Für alle, die eine neue Form der politischen Aktivität suchen, kann ich hier ein Angebot machen:


Käfern gegen Rechts!

Der ein oder andere mag die Obszönität für geschmackslos empfinden, aber ich kann nur sagen: Geschmacksloser als Nazis... ist das nun wirklich nicht.


Dank an goaran für die Grafik.


PS: Auf DIE Kommentare bin ich mal gespannt...

Mittwoch, 17. september 2008

Kommentare (4) - Kommentar hinzufügen
Nein, leider war der Ausruf nur ironisch gemeint. Nicht nur, dass ich mich seit mehreren Jahren erfolgreich durchs Leben schlage, ohne ernstlich einem Gott dafür dankbar zu sein, nein auch der Grund ist ein eher mieser.

"Gott sei Dank, es gibt sie noch!"

sollte der Ausspruch in aller Länge lauten, und es geht einmal mehr ums Arbeiten. Die HartzIV-Abzocker hat bild.de nun hinter sich gelassen und konzentriert sich nun auf Menschen, "die sich lieber abrackern, als HartzIV zu kassieren".

Nun, ich möchte meine Meinung zum Thema mal kurz zusammenfassen:
  1. Die meisten HartzIV-Empfänger haben nicht die Wahl, ob sie  arbeiten wollen oder nicht.
  2. Sich in einem selbst gewählten Beruf zu verwirklichen, ist mitunter eine schöne Sache. Von Agenturen mehr oder minder aufgezwungene Jobs können so etwas eher selten leisten.
  3. Wie bitte, soll jemand "den Wert der Arbeit" kennen lernen, wenn er sich für 7 Euro brutto pro Stunde den Tag ruiniert?
Hier verfährt bild.de wieder nach dem selben Motto wie in der Vorgänger-Serie (auf die auch ausgiebig verlinkt wird): Es wird suggeriert, jeder Arbeitslose könne was finden, wenn er nur will. Hier sogar noch schlimmer: Er findet sogar was tolles: Eine Arbeit, die ihn fordert, Spaß macht und bei der am Ende Geld übrig bleibt.
Es mag die allgemeine Sozialromantik beflügeln, wenn muskelgestählte Endvierziger für 1500 Euro brutto klempnern und stolz darauf sind. Dass  aber auch dies nur ein kleiner Ausschnitt aus einem mehr als vielschichtigen Bild ist, wird natürlich nur beiläufig erwähnt. Wenn überhaupt.
Die vorgestellten Arbeitnehmer finden ihr totales Glück in ihrer Familie, haben vielleicht ein Haus gebaut, das sie begeistert abzahlen, und das... ja, das war es dann.
Ich gönne diesen Menschen ihr Glück und ich will es nicht in Frage stellen.
Dass das aber nicht zwingend der Lebensentwurf aller Menschen ist, sollte klar sein.
Aber eigentlich waren wir bei HartzIV.
Bild und ihr Online-Ableger versuchen stets kampagnenartig die Solidarität zwischen den Menschen zu zerschlagen, wenn es um gesellschaftliche Unterschiede geht. Wenn man Bild liest - und das tue ich online nun schon mit einer gewissen Regelmäßigkeit, dann erfährt man - mitunter durch die Blume - dass Deutschland aus vier Gruppen besteht:
  1. HartzIV-Empfänger, die dem Rest der Gesellschaft auf der Tasche liegen und dabei meistens noch kriminell oder wenigstens unsympathisch sind. Ach ja: Außerdem fast alles Ausländer!!!
  2. Eine hart arbeitende, fast grundweg ehrliche Normalbevölkerung mit Durchschnittsverdienst, bei denen es nur gelegentlich und eigentlich völlig gerechtfertigt zu kriminellen Handlungen kommt, weil sie unfair behandelt werden.
  3. Firmenbosse mit Einkommen weit jenseits der Millionengrenze, die je nach politischer Einstellung ihr Geld mal hochverdient bekommen und mal alles nur ergaunert haben.
  4. Politiker, die all das kein bisschen interessiert, die die Normalbevölkerung schröpfen, den HartzIVlern Geld in den Arsch schieben und ausgerechnet die bösen Firmenbosse hofieren.
Nebenbei gibt es natürlich noch die aktuellen oder ehemaligen Stars, die entweder neu verliebt oder krebskrank und pleite sind. Eine Randgruppe.

Die meisten Bild-Serien (will heissen: Kampagnen) versuchen eigentlich immer, dieses Weltbild irgendwie zu festigen und zu untermauern.

Es ist in meinen Augen erbärmlich, immer nur danach zu schielen, wer wen jetzt irgendwie Geld kostet, wer Geber oder Nehmer ist. Eine heterogene Gesellschaft wird nie einen absoluten Gleichstand monetärer Art zwischen den einzelnen Menschen erreichen. Ich bin zwar nicht der Meinung, dass das kapitalistische Grundgesetz "Es braucht einen Anreiz, mehr zu erreichen" bedingungslos stimmt, aber es wird immer Menschen geben, die sich auch mit wenig zufrieden geben (Ich bin selbst einer davon, ich weiss, wovon ich rede!) und andere, die gerne mehr als der Durchschnitt hätten. Mit etwas Glück pendelt sich das ein.
Oben erwähnte Publikationen sorgen nun aber dafür, dass der ohnehin besser stehende Teil der Meinung ist, er leide wahnsinnig, weil andere weniger für ihn tun. Das finde ich persönlich absurd, denn wieso sollte jemand, der selbst nicht mal eine Fiat besitzt, jemand anders seinen dritten Ferrari ermöglichen, indem er Verzicht übt.
Wenn wir diese Neid-Diskussion à la "Aber ich arbeite viel härter als der da!" mal beiseite lassen, dann muss man doch feststellen, dass jeder auf seine Art von der Gemeinschaft profitiert. Während Hugo Habnichtviel sich seine Miete vom Staat zahlen lässt, freut sich Bernhard Bremsnichtgern darüber, dass die Autobahnen stetig erneuert werden, und ihm somit ein Ausfahren seines Sportwagens erlauben. Oma Liebegras ergötzt sich am neuen Stadtpark, der nun endlich aus Steuergeldern finanziert wurde und auch Mama Mittelverdiener kann dank Kindergeld mehr neue Klamotten für den Sohn kaufen. Und alle beteiligen sich nach ihren Möglichkeiten daran, dass dem jeweils anderen das ermöglicht wird.
Witzigerweise wäre das - und das sage ich irritiert sogar aus meiner Sicht als Linker - tatsächlich schon mit dem Recht von heute möglich. Stattdessen aber wird von - meiner Meinung nach - gesellschaftsfeindlichen Blättern wie der Bild der Hass zwischen den Gruppen geschürt.
Und der Mensch mit seinem ihm innewohnenden peinlichen Egoismus nimmt das natürlich gierig auf. Vielleicht versteht der ein oder andere langsam, was mich an Blättern wie der Bild wirklich stört.

Anmerkung: Ich bekomme gerade ALG I, liege also auch dem Staat und allen arbeitenden Lesern auf der Tasche. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich versuche, das nicht in die Bewertung einfließen zu lassen. Davor habe ich für 7,20 € brutto die Stunde gearbeitet, und habe immer gesagt, dass ich meinen Steueranteil gerne für all die Arbeitslosen zahle. Und wenn ich (hoffentlich) Ende des Jahres wieder arbeite, dann werde ich von dieser Meinung nicht einen Milimeter Abstand nehmen.
Wenn ich mit allen anderen Steuerzahlern monatlich je 100 € dafür zahle, dass auch ein paar Leute ohne Arbeit leben können - dann ist es mir das nicht nur wert, sondern dann begrüße ich das. Denn: Besser, als Menschen das Leben lebenswert zu gestalten, kann man Geld nun wirklich nicht einsetzen! Und dabei interessiert es mich sowas von gar nicht, ob die Leute arbeiten wollen oder nicht. So lange ich mit meiner Arbeit zufrieden bin, sollen andere es (meinetwegen auch mit meinem Geld) auch sein.
Danke fürs Lesen, ich konnte diese Gedanken einfach nicht bei mir behalten...
Mittwoch, 10. september 2008

Kommentare (12) - Kommentar hinzufügen
Wie inzwischen wahrscheinlich alle mitbekommen haben, hat ein Mann in Frankfurt seinen eigenen BMW angezündet, um gegen die hohen Preise von Benzin und co. zu demonstrieren. In meinen Augen zwar eine erstaunlich einsatzfreudige Art des Protestes, allerdings finde ich seine Argumentation ein wenig dünn. Auf seiner Website macht der Mann die Steuerpolitik verantwortlich und beruft sich auf die inzwischen wahrscheinlich allseits bekannten Zahlen, nach denen der Benzinpreis ja überwiegend aus Steuern besteht.
Ich persönlich bin da nicht seiner Meinung, da ich zwar durchaus glaube, dass die Regierung Möglichkeiten hätte, die Preise zu senken, gerade aber bei Benzin wenig Grund dazu sehe.
In Saudi-Arabien, so der Mann, kostet Benzin nur etwa 11 Cent pro Liter. Ich kann mir schon vorstellen, dass das wahnsinnig verheißungsvoll klingt für klamme Pendler. Nur kann ich mir dort als Nicht-Mitglied der Königsfamilie gar nicht arg viel mehr leisten. Als Frau darf man dort (in der Stadt) nicht einmal Auto fahren. Außerdem darf der Preis dort auch nicht höher sein, da politische Demonstrationen auch verboten sind. Tolles Beispiel!
(Wikipedia über Saudi-Arabien)
Hey, ich bin kein Freund unserer Regierung! Ich werde demnächst Taxifahrer sein. Eine bessere Kombination aus "schlechtem Einkommen" und hohen Spritpreisen wird sich nicht einmal ein Berufspendler vorstellen können. Ich finde hohe Spritpreise in der heutigen Zeit aber eigentlich wichtig.
Ich fahre verdammt gerne Auto. Ich fahre verdammt gerne auch kurze Strecken. Aber es ist mir bewusst, dass das ein Luxus ist, der (zumindest umwelttechnisch) auf Kosten der Allgemeinheit geht. Und dafür zahle ich, wenn ich es mache.
Dass sich jemand von seinem Gehalt den Weg zur Arbeit nicht mehr leisten kann, oder nur noch schwer, das halte ich indes auch für eine Sauerei. Aber daran ist meines Erachtens nach weniger die Regierung schuld als mehr der eigene Chef. Aber wer protestiert schon gegen den eigenen Chef? Das wäre ja.. also... das wäre ja schon richtiger Protest!
Aber das nur vorweg.
Bei bild.de hat man sich offenbar entschieden, dieser Argumentation gar keinen Platz einzuräumen. Warum auch immer, schließlich fährt die Bild seit Jahren den selben Kurs. Aber sehet selbst:


Screenshot: bild.de

bild.de gibt sich richtig Mühe damit, die Bilder immer so zu beschneiden, dass die Internet-Adresse des Mannes nicht im Bild ist. Zum Vergleich ein Screenshot von spiegel.de:


Screenshot spiegel.de

Sieht aus wie das selbe Bild, dieses Mal sogar mit Quellenangabe ;)
Wahrscheinlich ist bild.de aber nur so nett, die Adresse nicht zu nennen, um Nachahmungstäter abzuschrecken. Schließlich haben sie dort in der Redaktion - wie ja allgemein bekannt ist - ein hohes Verantwortungsbewusstsein.

Samstag, 28. juni 2008

Kommentare (0) - Kommentar hinzufügen
Erstellen Sie einen Blog auf de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Missbrauch melden