Es wird ganz eindeutig Zeit, mal wieder eine
Kolumne von Wagner zu kommentieren. Heute richtet er sich an den russischen Präsidenten (oder auch Russen-Präsident, wie ihn bild.de gerne nennt), und was da wieder schiefgelaufen ist, will
man vielleicht gar nicht wissen:
"Lieber Präsident Medwedew,"
Bei dieser Einleitung besteht ja nach wie vor eine 50:50-Chance, ob als nächstes "Ich liebe sie" oder "ich finde sie zum Kotzen" kommt. Mit der Zeit finde ich das sogar putzig.
"wer wie ein Hugo-Boss-Model aussieht und sich so kleidet,"
Sich wie kleidet? Wie ein Boss-Model? Harr - da bellt ja der Neid im Unterton mit!
"hat mehr übrig für Krawatten als für Panzer."
Wieder was gelernt.
"Dachte ich."
Das wäre ja nicht das erste schiefgegangene Experiment in diese Richtung...
"So kann man sich täuschen."
Wenn man die Menschen nach den Kleidern beurteilt? Ja.
"Sie sind die angezogene Angst."
Da hat einer aber tief in die Sprichwort-Kiste gegriffen. Aber wenn die nackte Angst wirklich die pure, die schlimme Angst ist, dann ist die angezogene Angst doch gar nicht so schlimm, oder?
"Mein Tennislehrer hat vor ihnen Angst,"
Kann mir einer verraten, wie der Kerl auf seinen Tennislehrer kommt?
"meine Putzfrau."
Entweder es handelt sich hier um zwei nach seltsamen Kriterien ausgesuchte ängstliche Individuen oder um ein einziges mit einer erstaunlichen Berufswahl. Ich will es aber gar nicht näher
wissen.
"Man mag schon gar nicht mehr die Nachrichten im TV einschalten."
Das ist aber feige. Die Nachrichten sind nur ein Medium, das berichtet, was in der Welt passiert. Wenn man Angst vor der Wahrheit hat - moment, da fällt mir ein Kracher ein: Dann sind sie ja in
ihrem Job bestens aufgehoben.
Aber wie dem auch sei: Manches Mal muss man sich den Grausamkeiten stellen. Glauben sie, es macht mir etwa Spaß, jeden Tag bildblog zu lesen. Was meinen sie,
was es da an Grausamkeiten zu lesen gibt?
"Ein Gefühl der Bedrohung herrscht"
Zugegeben, die politische Lage ist heikel.
" - nicht, dass russische Panzer durch das Brandenburger Tor rollen."
Na, immerhin etwas!
"Es ist die Angst, die man hat, wenn man Coca-Cola mit Eiswürfeln in Afrika trinkt."
Bitte waaas? Ich gebe zu, ich habe keinerlei Vorstellung, was Herr Wagner meint. Eine ernst gemeinte Bitte an meine Leser: Was ist das für eine Angst, die man hat, wenn man Coca-Cola mit
Eiswürfeln in Afrika trinkt? Ich stelle mir das sehr angenehm vor.
"Es ist die Angst, die Wohnung zu verlassen, ohne zu wissen, ob man das Bügeleisen ausgeschaltet hat."
Bitte alle noch einmal daran denken: Es geht hier um den russischen Präsidenten, dem Wagner diese Zeilen schreibt!
"So eine Angst herrscht in Deutschland."
...oder zumindest bei Wagners Tennisfrau und Putzlehrer.
"Wir wissen nicht, ob uns dieser schöne Medwedew das Gas und das Öl abschaltet."
"Abdrehen" würde schöner klingen, aber ansonsten kann man den Satz ja mehr oder minder so stehen lassen. Viele haben offenbar tatsächlich Angst davor.
"Wir haben Angst vor Ihnen, schöner Krawatten-Mann, Hugo-Boss-Monster."
Mal eine Frage an Wagner persönlich: Haben sie schon einmal ein Kichern in der Leitung wahrgenommen, als sie ihre Kolumne telefonisch durchgegeben haben? Haben sie eine Ahnung, woran das liegen
könnte?
"Herzlichst, ihr F. J. Wagner"
Und einmal mehr wünsche ich mir, dass der Adressat den Brief besser nie lesen wird...
Donnerstag, 28. august 2008
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