Der Sprit-Wahnsinn und der BMW

Veröffentlicht auf von Sash

Wie inzwischen wahrscheinlich alle mitbekommen haben, hat ein Mann in Frankfurt seinen eigenen BMW angezündet, um gegen die hohen Preise von Benzin und co. zu demonstrieren. In meinen Augen zwar eine erstaunlich einsatzfreudige Art des Protestes, allerdings finde ich seine Argumentation ein wenig dünn. Auf seiner Website macht der Mann die Steuerpolitik verantwortlich und beruft sich auf die inzwischen wahrscheinlich allseits bekannten Zahlen, nach denen der Benzinpreis ja überwiegend aus Steuern besteht.
Ich persönlich bin da nicht seiner Meinung, da ich zwar durchaus glaube, dass die Regierung Möglichkeiten hätte, die Preise zu senken, gerade aber bei Benzin wenig Grund dazu sehe.
In Saudi-Arabien, so der Mann, kostet Benzin nur etwa 11 Cent pro Liter. Ich kann mir schon vorstellen, dass das wahnsinnig verheißungsvoll klingt für klamme Pendler. Nur kann ich mir dort als Nicht-Mitglied der Königsfamilie gar nicht arg viel mehr leisten. Als Frau darf man dort (in der Stadt) nicht einmal Auto fahren. Außerdem darf der Preis dort auch nicht höher sein, da politische Demonstrationen auch verboten sind. Tolles Beispiel!
(Wikipedia über Saudi-Arabien)
Hey, ich bin kein Freund unserer Regierung! Ich werde demnächst Taxifahrer sein. Eine bessere Kombination aus "schlechtem Einkommen" und hohen Spritpreisen wird sich nicht einmal ein Berufspendler vorstellen können. Ich finde hohe Spritpreise in der heutigen Zeit aber eigentlich wichtig.
Ich fahre verdammt gerne Auto. Ich fahre verdammt gerne auch kurze Strecken. Aber es ist mir bewusst, dass das ein Luxus ist, der (zumindest umwelttechnisch) auf Kosten der Allgemeinheit geht. Und dafür zahle ich, wenn ich es mache.
Dass sich jemand von seinem Gehalt den Weg zur Arbeit nicht mehr leisten kann, oder nur noch schwer, das halte ich indes auch für eine Sauerei. Aber daran ist meines Erachtens nach weniger die Regierung schuld als mehr der eigene Chef. Aber wer protestiert schon gegen den eigenen Chef? Das wäre ja.. also... das wäre ja schon richtiger Protest!
Aber das nur vorweg.
Bei bild.de hat man sich offenbar entschieden, dieser Argumentation gar keinen Platz einzuräumen. Warum auch immer, schließlich fährt die Bild seit Jahren den selben Kurs. Aber sehet selbst:


Screenshot: bild.de

bild.de gibt sich richtig Mühe damit, die Bilder immer so zu beschneiden, dass die Internet-Adresse des Mannes nicht im Bild ist. Zum Vergleich ein Screenshot von spiegel.de:


Screenshot spiegel.de

Sieht aus wie das selbe Bild, dieses Mal sogar mit Quellenangabe ;)
Wahrscheinlich ist bild.de aber nur so nett, die Adresse nicht zu nennen, um Nachahmungstäter abzuschrecken. Schließlich haben sie dort in der Redaktion - wie ja allgemein bekannt ist - ein hohes Verantwortungsbewusstsein.

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