Immer wieder dieser Gott...

Veröffentlicht auf von Sash

Ich sehe mich ja gerne hier und in anderen Blogs um, und dabei fällt mir auf, dass es eine riesige Anzahl religiöser Blogs gibt. Die meisten Besucher werden schon festgestellt haben - oder zumindest vermuten - dass ich kein religiöser Mensch bin. Warum?
Ich denke, hier ist ein geeigneter Platz, das einmal mehr auszuführen. Teile dieses Textes stammen aus einem alten Text von mir, ein zwei Freunden wird er also bekannt und langweilig vorkommen ;)
Die ganze Welt in der wir leben, ist seit Jahrtausenden mehr oder weniger bestimmt von Religionen unterschiedlichster Art und Ausprägung. Inzwischen, im 21. Jahrhundert, lässt zwar in vielen Gegenden der Glauben nach, aber die größten Kriege werden noch immer unter Berufung auf Gott oder Allah geführt.
Das alleine kann kein Grund sein, sich von der Religion abzuwenden, schliesslich sind es zumeist nicht die Religionsbegründer, die sich dem Kampfe verschrieben haben. Ich kann mit Religiosität im Allgemeinen dennoch nicht viel anfangen, dazu bin ich ein zu rationaler Mensch.
Ich bin kein Psychologe, aber ich habe mir dennoch meine Gedanken über den Sinn und Unsinn und das Entstehen von Welt und Glauben gemacht, und ich sehe die Hauptursache in der Komplexität der Welt, die einen Menschen ab einem gewissen Punkt (der sicher bei jedem ein anderer ist) Rätsel aufgibt.
Der Horizont der Menschen, ja der Menschheit, ist begrenzt. Der Mensch auf seiner Suche nach dem umfassenden Wissen braucht Dinge, die er bennenen kann, die er kategorisieren kann. Und wenn eben was nicht in seinen Erfahrungshorizont passt, dann ist es nun einmal der bequemste Weg, das jemandem in die Schuhe zu schieben, der über alles einen Überblick hat. Schliesslich hat der Mensch Angst. Angst, sein Leben wäre sinnlos, Angst, es könnte etwas schlimmes passieren. Angst vor dem Tod. Glaube gibt Sinn, euphemisiert schlechte Erfahrungen als notwendig und nimmt mit verschiedenen post-mortalen Szenarien die Angst vor dem Tod. Damit sind die Urängste der Menschen gebannt. Es ist für mich also durchaus nicht verwunderlich, dass Menschen Religionen erschaffen haben Ich halte die Zeit allerdings für reif, dieses Hilfsmittel als aufgeklärter Mensch wieder abzulegen.
Bevor Vorwürfe der Intoleranz laut werden: Jeder darf glauben, an was er will! Ich habe nichts dagegen. Aber es soll bitte niemand irgend jemandem mit Realitäten drohen. Was die Realität ist, das vermag niemand zu sagen – auch die Naturwissenschaft wahrscheinlich nicht. Diese Welt ist zu komplex für einzelne Menschen, und sobald man sich auf Aussagen anderer verlässt, kann schon ein unüberschaubares Konstrukt von Irrtümern dahinterstecken, das man selber nicht entknoten kann, weil einem das Fachwissen fehlt.
Ein grundsätzliches Problem ALLER Religionen ist der Absolutheitsanspruch. Viele stellen es einem zwar frei, ob man daran glaubt, aber so SEIN tut es schon...
Zugegeben: Viele halten es mit den Naturwissenschaften ebenso – was ich ebenfalls als problematisch sehe. Vielleicht wird der Mensch nie in seiner Geschichte das ganze Universum und ein eventuelles Drumherum erfassen können. Naturwissenschaften haben einen Vorteil im Wettkampf mit den Religionen um die beste Welterklärung: Sie sind wandelbar. Neue Erkenntnisse können eingebaut werden, alte Interpretationen können über den Haufen geworfen werden, weil sie nicht einer moralischen Seite verpflichtet sind. Und: Sie folgen der menschlichen Logik, dem einzigen Werkzeug, das zu verwenden wir in der Lage sind bei dieser Problematik. Sie mag unvollkommen sein, ist aber ein Ansatz. Und nur Naturwissenschaften können mit ihren experimentellen Untersuchungen bieten, was keine Religion je können wird: Wiederholbarkeit, vielleicht die einzig mögliche Form dessen, was gemeinhin ein Beweis genannt wird.
Glauben kann ich natürlich immer an etwas, auch wenn es nicht beweisbar ist. Seltsam ist meiner Meinung nach, dass sich die meisten Gläubigen an größeren Glaubensrichtungen anhängen. Wieso glaube ich ausgerechnet etwas, das hundert-, tausendfach vor mir schon geglaubt wurde? Was veranlasst mich dazu, ein eigenes Weltbild aufzugeben zugunsten eines vorgefertigten? Ich hatte zunächst die Vermutung, es könne sein, dass man den vielen alten Aufzeichnungen Vertrauen schenkt, woraufhin sich mir aber die Frage stellte: „Warum sind diese Schriften aber plausibler als moderne wissenschaftliche Arbeiten?“ Und somit ist Religion meist ein großer Feind der Individualität. Denn letztlich gibt es in jeder Religion Riten, Regeln und Normen an die sich ein Gläubiger zu halten hat – einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich nicht damit anfreunden kann. Wir haben von allen Seiten her Regeln auferlegt bekommen. Die besten von der eigenen Vernunft, dazu gesellschaftsvertragliche, staatliche, und die, denen das noch nicht genug Bevormundung ist, klammern sich meiner Meinung nach dann noch an religiöse Regeln.
Eine ganz einfache Frage an die Religiösen dieser Welt lautet von meiner Seite aus:
„Warum hat sich noch kein Gott wirklich zu erkennen gegeben?“
ALLEN Menschen gegenüber. Warum müssen diese Wesen stets den Anspruch haben, man müsse auch ohne Beweis an sie glauben? Da bekommt der Mensch ein Gehirn, das logisch denken kann, das in der Lage ist, abstraktesten Theorien zu folgen, und all das, um eben damit Gott nicht erfassen zu können? Die Götter haben ja offenbar eine Möglichkeit, mit Menschen zu kommunizieren (woher sonst alle schriftlich niedergelegten Werke?) – manche sind gar allmächtig. Was hindert sie daran, das zu nutzen? Warum gelangen in diesen Genuss nur Leute, die „besondere Fähigkeiten haben“? Bei den kleineren Religionen meist auch noch welche, bei dem jeder höheren Macht klar sein sollte, dass sie nicht ernst genommen werden...
Der eine oder die andere mag vielleicht verweisen auf die großen Naturphänomene. Gewiss: Es gibt Dinge, die wir uns nicht erklären können. Noch! Vielleicht auch für immer. Warum ist das ein Problem? Wir verstehen vieles auf der Welt nicht. Die meisten wissen nicht einmal, wie der Motor in ihrem Auto funktioniert. Das interessiert ein Leben lang nicht, dann sehen sie ein helles Leuchten am Himmel, die Meteorologen sagen: „Nää, Polarlichter waren’s nich!“, dann muss es plötzlich Gott gewesen sein – weil man nicht damit leben kann, dass da etwas war, für das wir keine Erklärung haben. Je nachdem, wie die Phänomene ausfallen, war es dann Werk eines guten Gottes oder eines Teufels.
Meiner Meinung nach ist ein Glaube an eine höhere Macht stets verbunden mit einer gewissen Bequemlichkeit. Im Notfall ist immer ein höheres Wesen daran schuld – egal ob für Gutes oder Schlechtes. Der Extremfall ist dann das Abgeben von Verantwortung an diese Mächte.
Wie kann ich als Gläubiger eigentlich irgendwo widersprechen?
Denn: Wenn nunmal etwas gottgewollt ist: Warum es ändern? Wenn ich mein Leben in kleinen Details selbst im Griff habe (gehe ich nach rechts oder nach links, warte ich auf den Bus oder laufe ich?), warum nicht auch den Rest meines Lebens? Was ist so beunruhigend an der Tatsache, dass ich mein Leben komplett frei gestalten kann? Meine eigene Unzulänglichkeit? Ach bitte, jeder macht Fehler – und aus denen kann man lernen!

Meine Meinung zu Aussagen von Gläubigen (bisweilen etwas ironisch, nehmt es mir nicht übel):

Religion ist wichtig, um den Menschen Moral zu lehren.
Dazu gibt es zu sagen: Selbst wenn sich aus der Religion heraus die Moral entwickelt haben sollte, dann heisst das noch lange nicht, dass man deswegen die Religion heute noch braucht. Ich als Atheist bin durchaus in der Lage, mir moralische Leitsätze zurechtzulegen, die dafür sorgen, dass ich auf der Welt mit allen anderen gut auskomme. Dazu brauche ich niemanden, der mir droht, was nach meinem Tode sonst mit mir passiert. Mir reicht die Erklärung, dass ich in diesem Leben ein Problem mit meinen Mitmenschen bekomme.
Wir sind heute mit soviel mehr Erfahrungen beladen als die Leute vor ein paar hundert Jahren, vielleicht können wir das inzwischen auch mal ohne einen Befehl von Oben.
Zudem sehe ich es als problematisch an, da die Religionen uns eben nicht nur Weisungen erteilen, wie wir mit anderen Menschen gut auskommen, sondern durchaus auch Regeln, die in einer heute existierenden Welt ihren Zweck verloren haben. Das wiederum zeigt, dass selbst die Grundsätze der Religionen menschengemacht sind – und die meisten bemühen ein Weltbild, das stark an seiner Aktualität eingebüßt hat.

Ich bin mir sicher, dass Gott mir aus meiner Not geholfen hat!
Manchmal treffen Ereignisse zusammen, Zufälle eben (siehe unten). Nur, weil man in den letzten Monaten zu Gott gebetet hat, hat man eine neue Arbeit gefunden? Wäre es wirklich anders gewesen, hätte man alle Anstrengungen getätigt, nur das tägliche Gebet durch etwas anderes ersetzt? Kann man es wissen? Wenn ich jetzt feststelle, dass ich im letzten Monat mehr Sex hatte, und mein Kühlschrank jetzt nicht mehr so laut brummt... besteht da ein Zusammenhang? Offenbar sind zukünftige Chefs beeindruckter von Selbstgesprächen als Kühlschränke vom Geschlechtsverkehr! Sachen gibt’s!
Ich denke, der Glauben an eine Hilfe von Oben kann durchaus etwas bewirken, allerdings mehr als Form der Hilfe zur Selbsthilfe. Im oben genannten Fall kann es ja so sein, dass man entspannter zum Vorstellungsgespräch gegangen ist, weil man sich sicher war, dass Gott mit im Boot sitzt. Dann aber wäre Gott dennoch nicht real vorhanden, sondern lediglich eine Projektion der Menschen.

Es gibt keine Zufälle.
Da muss ich klar sagen: Halte ich grundsätzlich für falsch. Es ist bekanntlich eine ganz entscheidende Frage, wonach man sucht. Zum Beispiel die berühmte Suche nach der Zahl 23: Wenn man die Mathematik nur weit genug ausreizt, dann kann man jede Zahl aus der 23 und ihren Faktoren, Ziffern und der Quersumme berechnen und so in seinem kompletten Leben von den Illuminaten verfolgt werden, ganz gleich ob es sie gibt oder nicht. Wenn man jetzt der Behauptung nachgeht, dass das vielleicht gewollt sei, dass man das merkt: Was ist mit all den zufälligen Übereinstimmungen, die nie jemand erfährt? Gibt es vielleicht in Indien einen Menschen, der gleich alt ist wie ich und das selbe tut wie ich und so heisst wie ich? Wohnen in meiner Nachbarschaft vielleicht 100 Leute mit den selben Initialen? Wenn ich es nie rausfinde, war das dann auch göttlicher Wille? Wenn ja, was unterscheidet den göttlichen Willen vom Zufall? Wenn ein Gott Ereignisse schafft, die man nur mitbekommt, wenn man danach sucht, dann liegt die Definition doch wieder in unserer Hand.
Beispiel: Es ziehen etliche Hurrikans über die USA hinweg. Kathrina traf New Orleans – was im Laufe der Zeit einfach wahrscheinlich war – und homophobe Sektenanhänger sahen darin eine Strafe für ein bevorstehendes Schwulenfestival. Ein Monat später wäre es vielleicht die nachträgliche Rache gewesen, zwei Monate später wäre eine Synagoge oder so eingeweiht worden... der Mensch neigt dazu, Kausalketten zu erschaffen, wenn ihm etwas nicht geheuer ist. Es gibt da ebenso noch die Behauptung, Shakespeare hätte als höchste Kunstvollendung enorm viele Alliterationen in seine Werke eingebaut. Auch hier deckt sich die Menge mit der Zahl, die zufällig auftreten würde, und zwar sehr sehr genau. Ein Super-GAU in einem AKW passiert statistisch alle 10000 Jahre, trotzdem hat es bis zum ersten keine 40 gedauert. Zudem gewinnen wöchentlich hunderte Menschen im Lotto, obwohl die Chancen für jeden einzelnen gegen Null gehen – und unter den Gewinnern sind sogar Atheisten.

Gott hat zu mir gesprochen.
Die Menschheit macht seit Jahrtausenden etwas sehr bedeutendes – abgesehen von essen, trinken, jagen und sich selbst das Leben schwer – sie nimmt Drogen.
Drogen sind wahrscheinlich der beste selbst nachvollziehbare Beweis, dass sich das menschliche Gehirn durch Einflüsse von außen täuschen lässt. Dinge zu sehen, zu hören und zu fühlen, die nicht allgemein wahrgenommen werden, sondern persönliche Auslegung des Gehirns sind, ist ein Phänomen, das ziemlich häufig vorkommt.
Im Bereich der Naturreligionen mag der ein oder die andere darauf verweisen, dass die „heiligen Pflanzen“ von Gott, den Geistern etc. dazu geschaffen wurden, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, aber was ist mit der Moderne? Synthetisch hergestellte Drogen mit wesentlich mehr Wirkung – geschaffen von Menschenhand? Was macht den Glauben attraktiver, dass ein unheimliches Wesen mit mir spricht anstatt der Tatsache, dass sich mein Gehirn von irgendetwas hat beeindrucken und überrumpeln lassen? Ist es vielleicht doch nur die Angst vor der Tatsache, dass man nicht perfekt ist? Dass das eigene Gehirn fehlerhaft ist?

Dann diese Lieblingsfrage von Schöpfungsjüngern:
Wie sollte der Urknall aus dem Nichts heraus entstehen?
Eine gute Frage, aber eine Antwort darauf hat niemand.
Aber wie wäre es mit der Gegenfrage: Wie ist Gott entstanden?
Wenn ich davon ausgehen kann, dass ein Gott in Ewigkeit oder im ewigen Nichts existiert und dann daraus eine Welt erschafft, dann kann ich auch davon ausgehen, dass die Welt so aus dem Nichts heraus entstand. Wissenschaftliche Erklärungen reichen (noch?) nicht soweit, um sicher zu beschreiben, was in einem Umfeld war, in dem keine der heute bekannten physikalischen Regeln galt. Theoretisch ist dort also alles möglich, vielleicht auch Materie aus Nichts. Bescheuerter als der Glaube an ein Wesen, das in dieser feindlichen Umwelt den ganzen Kram auch noch selbst erledigt, ist es nun wirklich nicht.

Bisher habe ich noch keinen einzigen Grund gehabt, an einen Gott zu glauben. Und bevor jemand auf die Idee kommt: Nein, auch mir sind schon wunderbare Dinge wiederfahren!
Ich halte mich für einen sozialen, gewissermaßen "guten" Menschen, und wenn ich ehrlich bin, dann erschreckt mich die Tatsache ein wenig, dass einige meiner Artgenossen wahrscheinlich nur nett sind, weil sie sich dafür ein Ticket ins Paradies erhoffen. Ich halte Religionen schlicht für ein Überbleibsel aus der nicht gerade zivilisierten Vergangenheit meiner Spezies.

Ich hoffe, ich habe meine Meinung klar zum Ausdruck gebracht ohne Menschen persönlich angegriffen zu haben. Mir geht es nicht darum zu behaupten, dass religiöse Menschen schlecht oder dumm sind – unter den Idioten mischen auch genug Atheisten mit, und es gibt genügend clevere aber gläubige Menschen.
Ich hoffe, ich habe klar erläutert, was mich stört an Religionen, und dass die Kritik nicht grundsätlich auf einem „Find ich aber doof!“ beruht, sondern einen Hintergrund hat.
Ich weiss natürlich sicher: Wer strikt gläubig ist, wird mit mir schwer einer Meinung sein, ich hoffe aber, dass das nicht daran hindert, vernünftig zu miteinander umzugehen.

Natürlich freue ich mich über Kommentare.

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Sash 10/25/2008 06:31

@Paul:Danke für das Angebot. Ich bin natürlich grundsätzlich interessiert. Ich weiss es sehr zu schätzen, dass du nicht irgendeinem missionarischen Eifer erlegen bist. Ich würde mich natürlich über die Zusendung der Bücher freuen, allerdings kann ich gerade nicht versprechen, dass ich sie dann auch wirklich in näherer Zukunft lesen werde.Insofern weiss ich nicht, ob das angemessen wäre - wenn du dir die Mühe machen würdest. Ich weiss einfach nicht, ob ich irgendwann die Zeit finde, ein längeres Werk mit einer derartigen inhaltlichen Tiefe ernstlich zu lesen. Zumal das Thema Religion gerade wirklich einen Platz ganz ganz hinten hinter tausend anderen Dingen einnimmt. Das trifft definitiv auch auf alle anderen philosophischen und geisteswissenschaftlichen Arbeiten zu. Ich möchte mich hierbei gar nicht wegstehlen, ich denke nur, dass es einer der schlechtesten Zeitpunkte ist.Wenn du diesbezüglich keine Erwartungen hegst, kannst du mir die Bücher - oder eines davon - gerne schicken. Irgendwann komme ich sicher dazu. Alternativ dazu können wir aber auch gerne die Kernthesen des Buches hier erörtern.

Paul 10/25/2008 05:00

Hallo Sash!Schade, dass das Gespräch an dieser Stelle endet! Es ist sehr interressant und hätte bietet meiner Meinung nach viele Möglichkeiten, die Argumentationen fortzuführen. Aber ich möchte meinen eigenen Standpunkt an dieser Stelle nicht ausführen sondern dir lediglich ein Buch empfehlen, das Du wahrscheinlich noch nicht gelesen hast. Ich meine "Überrascht von Freude" von Clive Staples Lewis. Wie du sicherlich schon ahnst (möglicherweise scheckt dich der Titel regelrecht ab) ist der Autor Christ. Er hat dieses Buch -grob gesagt- über seinen Werdegang vom standhaften Atheisten zum leidenschaftlichen Christen geschrieben und greift hierzu relevante Punkte aus seinem Leben autobiografisch auf. Ich habe das Buch begonnen, als ich mich selbst "dem Thema" bereits sehr angenähert hatte. Jedoch wollte ich Gott nicht annehmen. Ich geriet beim Thema Glaube immer wieder in Konflikt, mit meinem bestehenden (wenn auch nicht feiner definierten) Weltbild, sah keine Notwendigkeit für (einen) Gott und hatte es schwer, mich vor Gott "kleinzumachen". Obwohl ich schon häufig gebetet hatte und wiederholt Erfahrungen gemacht/Momente erlebt habe, bei denen ich überzeugt war, Gott (natürlich nicht persönlich) zu sehen, zu erleben, zu fühlen, verharrte ich in einer festen Antihaltung.Die enorm klare und sachliche Schreibweise von Lewis', seine logischen und zum Teil sehr komplexen Schlüsse und Argumentationen waren für mich wie gefundenes Fressen. Hier konnte ich mich scheinbar mit dem Thema (Gott) befassen, ohne selbst auf ihn zugehen zu müssen. Denn ich folgte ja nur den Schilderungen, die ich als logisch und intelligent empfand; ich musste keine emotionalen, nur für einen Christen nachvollziehbaren Argumente akzeptieren. Der Autor will den Leser nicht zum Gläubigen machen, er verhält sich so gesehen diskret. Ich will dich nicht bekehren. Auch mich hat das Buch nicht um 180° gedreht, allein schon, weil ich das Gefühl hatte, dass es an seinem Höhepunkt endet, nämlich Lewis' Entdeckung von Gott. Aber es ist durchweg interressant und -entgegen meinen allgemeinen Erwartungen gegenüber christlicher Literatur- von literarischer Qualität.  Solltest du es tatsächlich in Erwägung ziehen, dieses Buch zu lesen, kann ich es nur gut verstehen, wenn du es nicht kaufen möchtest. Ich würde dir mein Exemplar schicken. Ein weiteres Buch von Lewis halte ich ebenfalls interressant: Pardon, ich bin Christ. Unverklärte, sachliche und intelligente Annäherung an den christlichen Glauben. Schick ich dir auch gern, ich habe es durch.Nochmals: obwohl es einen anderen Eindruck macht, ist das kein Versuch, dich zum Christ zu machen. Ich denke, das dir Dinge daran gefallen könnten (philosophische Betrachtung, Klarheit). Und es hat mir gefallen, als ich mich vom Christ-Sein weit entfernt fühlte.

Sash 10/08/2008 23:48

Das wirklich interessante daran ist doch, dass Religionen, deren innerster Wert - das Vorhandensein eines Gottes - nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, mittels der Wissenschaft besser verstanden werden sollen.Ob die Gründer Analphabeten oder gar dämlich waren, ist ja wenig entscheidend bezüglich der modernen Aufarbeitung.

meteor 10/08/2008 23:02

Ich ziehe das Wissen dem Glauben vor. Was ich lustig finde ist, dass sogenannte Religionsexperten wie z.B. Islamwissenschaftler Islamkritiker oft als Unwissende hinstellen, die den Islam nicht verstanden hätten. Komisch einfach, dass man ein Studium benötigt um eine Religion zu verstehen, die von einem Analphabeten gegründet wurde.

Winfried Schley 06/11/2008 05:58

Zukunft und Leben sind immer offen, somit auch die Gottesfrage. Für einen gottgläubigen Menschen wie mich ist deshalb die Frage nach Gott zeitlebens niemals endgültig abgeklärt. Ich staune jedes Mal aufs Neue über den unerschütterlichen Nichtgott-Glauben überzeugter Atheisten.