Sashs Blog

In diesem Blog schreibe ich so ziemlich über alles, was mir einfällt. Privates und Politisches. Poesie und Pöbel. Denn eine Trennung ist ja nicht immer leicht. Wessen Leben besteht nur aus Arbeit oder nur aus Freizeit? Wer will die Grenze ziehen? Ich sicher nicht. Na denn, habt viel Spaß am Lesen.
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Samstag, 17. mai 2008
Ich sehe mich ja gerne hier und in anderen Blogs um, und dabei fällt mir auf, dass es eine riesige Anzahl religiöser Blogs gibt. Die meisten Besucher werden schon festgestellt haben - oder zumindest vermuten - dass ich kein religiöser Mensch bin. Warum?
Ich denke, hier ist ein geeigneter Platz, das einmal mehr auszuführen. Teile dieses Textes stammen aus einem alten Text von mir, ein zwei Freunden wird er also bekannt und langweilig vorkommen ;)
Die ganze Welt in der wir leben, ist seit Jahrtausenden mehr oder weniger bestimmt von Religionen unterschiedlichster Art und Ausprägung. Inzwischen, im 21. Jahrhundert, lässt zwar in vielen Gegenden der Glauben nach, aber die größten Kriege werden noch immer unter Berufung auf Gott oder Allah geführt.
Das alleine kann kein Grund sein, sich von der Religion abzuwenden, schliesslich sind es zumeist nicht die Religionsbegründer, die sich dem Kampfe verschrieben haben. Ich kann mit Religiosität im Allgemeinen dennoch nicht viel anfangen, dazu bin ich ein zu rationaler Mensch.
Ich bin kein Psychologe, aber ich habe mir dennoch meine Gedanken über den Sinn und Unsinn und das Entstehen von Welt und Glauben gemacht, und ich sehe die Hauptursache in der Komplexität der Welt, die einen Menschen ab einem gewissen Punkt (der sicher bei jedem ein anderer ist) Rätsel aufgibt.
Der Horizont der Menschen, ja der Menschheit, ist begrenzt. Der Mensch auf seiner Suche nach dem umfassenden Wissen braucht Dinge, die er bennenen kann, die er kategorisieren kann. Und wenn eben was nicht in seinen Erfahrungshorizont passt, dann ist es nun einmal der bequemste Weg, das jemandem in die Schuhe zu schieben, der über alles einen Überblick hat. Schliesslich hat der Mensch Angst. Angst, sein Leben wäre sinnlos, Angst, es könnte etwas schlimmes passieren. Angst vor dem Tod. Glaube gibt Sinn, euphemisiert schlechte Erfahrungen als notwendig und nimmt mit verschiedenen post-mortalen Szenarien die Angst vor dem Tod. Damit sind die Urängste der Menschen gebannt. Es ist für mich also durchaus nicht verwunderlich, dass Menschen Religionen erschaffen haben Ich halte die Zeit allerdings für reif, dieses Hilfsmittel als aufgeklärter Mensch wieder abzulegen.
Bevor Vorwürfe der Intoleranz laut werden: Jeder darf glauben, an was er will! Ich habe nichts dagegen. Aber es soll bitte niemand irgend jemandem mit Realitäten drohen. Was die Realität ist, das vermag niemand zu sagen – auch die Naturwissenschaft wahrscheinlich nicht. Diese Welt ist zu komplex für einzelne Menschen, und sobald man sich auf Aussagen anderer verlässt, kann schon ein unüberschaubares Konstrukt von Irrtümern dahinterstecken, das man selber nicht entknoten kann, weil einem das Fachwissen fehlt.
Ein grundsätzliches Problem ALLER Religionen ist der Absolutheitsanspruch. Viele stellen es einem zwar frei, ob man daran glaubt, aber so SEIN tut es schon...
Zugegeben: Viele halten es mit den Naturwissenschaften ebenso – was ich ebenfalls als problematisch sehe. Vielleicht wird der Mensch nie in seiner Geschichte das ganze Universum und ein eventuelles Drumherum erfassen können. Naturwissenschaften haben einen Vorteil im Wettkampf mit den Religionen um die beste Welterklärung: Sie sind wandelbar. Neue Erkenntnisse können eingebaut werden, alte Interpretationen können über den Haufen geworfen werden, weil sie nicht einer moralischen Seite verpflichtet sind. Und: Sie folgen der menschlichen Logik, dem einzigen Werkzeug, das zu verwenden wir in der Lage sind bei dieser Problematik. Sie mag unvollkommen sein, ist aber ein Ansatz. Und nur Naturwissenschaften können mit ihren experimentellen Untersuchungen bieten, was keine Religion je können wird: Wiederholbarkeit, vielleicht die einzig mögliche Form dessen, was gemeinhin ein Beweis genannt wird.
Glauben kann ich natürlich immer an etwas, auch wenn es nicht beweisbar ist. Seltsam ist meiner Meinung nach, dass sich die meisten Gläubigen an größeren Glaubensrichtungen anhängen. Wieso glaube ich ausgerechnet etwas, das hundert-, tausendfach vor mir schon geglaubt wurde? Was veranlasst mich dazu, ein eigenes Weltbild aufzugeben zugunsten eines vorgefertigten? Ich hatte zunächst die Vermutung, es könne sein, dass man den vielen alten Aufzeichnungen Vertrauen schenkt, woraufhin sich mir aber die Frage stellte: „Warum sind diese Schriften aber plausibler als moderne wissenschaftliche Arbeiten?“ Und somit ist Religion meist ein großer Feind der Individualität. Denn letztlich gibt es in jeder Religion Riten, Regeln und Normen an die sich ein Gläubiger zu halten hat – einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich nicht damit anfreunden kann. Wir haben von allen Seiten her Regeln auferlegt bekommen. Die besten von der eigenen Vernunft, dazu gesellschaftsvertragliche, staatliche, und die, denen das noch nicht genug Bevormundung ist, klammern sich meiner Meinung nach dann noch an religiöse Regeln.
Eine ganz einfache Frage an die Religiösen dieser Welt lautet von meiner Seite aus:
„Warum hat sich noch kein Gott wirklich zu erkennen gegeben?“
ALLEN Menschen gegenüber. Warum müssen diese Wesen stets den Anspruch haben, man müsse auch ohne Beweis an sie glauben? Da bekommt der Mensch ein Gehirn, das logisch denken kann, das in der Lage ist, abstraktesten Theorien zu folgen, und all das, um eben damit Gott nicht erfassen zu können? Die Götter haben ja offenbar eine Möglichkeit, mit Menschen zu kommunizieren (woher sonst alle schriftlich niedergelegten Werke?) – manche sind gar allmächtig. Was hindert sie daran, das zu nutzen? Warum gelangen in diesen Genuss nur Leute, die „besondere Fähigkeiten haben“? Bei den kleineren Religionen meist auch noch welche, bei dem jeder höheren Macht klar sein sollte, dass sie nicht ernst genommen werden...
Der eine oder die andere mag vielleicht verweisen auf die großen Naturphänomene. Gewiss: Es gibt Dinge, die wir uns nicht erklären können. Noch! Vielleicht auch für immer. Warum ist das ein Problem? Wir verstehen vieles auf der Welt nicht. Die meisten wissen nicht einmal, wie der Motor in ihrem Auto funktioniert. Das interessiert ein Leben lang nicht, dann sehen sie ein helles Leuchten am Himmel, die Meteorologen sagen: „Nää, Polarlichter waren’s nich!“, dann muss es plötzlich Gott gewesen sein – weil man nicht damit leben kann, dass da etwas war, für das wir keine Erklärung haben. Je nachdem, wie die Phänomene ausfallen, war es dann Werk eines guten Gottes oder eines Teufels.
Meiner Meinung nach ist ein Glaube an eine höhere Macht stets verbunden mit einer gewissen Bequemlichkeit. Im Notfall ist immer ein höheres Wesen daran schuld – egal ob für Gutes oder Schlechtes. Der Extremfall ist dann das Abgeben von Verantwortung an diese Mächte.
Wie kann ich als Gläubiger eigentlich irgendwo widersprechen?
Denn: Wenn nunmal etwas gottgewollt ist: Warum es ändern? Wenn ich mein Leben in kleinen Details selbst im Griff habe (gehe ich nach rechts oder nach links, warte ich auf den Bus oder laufe ich?), warum nicht auch den Rest meines Lebens? Was ist so beunruhigend an der Tatsache, dass ich mein Leben komplett frei gestalten kann? Meine eigene Unzulänglichkeit? Ach bitte, jeder macht Fehler – und aus denen kann man lernen!

Meine Meinung zu Aussagen von Gläubigen (bisweilen etwas ironisch, nehmt es mir nicht übel):

Religion ist wichtig, um den Menschen Moral zu lehren.
Dazu gibt es zu sagen: Selbst wenn sich aus der Religion heraus die Moral entwickelt haben sollte, dann heisst das noch lange nicht, dass man deswegen die Religion heute noch braucht. Ich als Atheist bin durchaus in der Lage, mir moralische Leitsätze zurechtzulegen, die dafür sorgen, dass ich auf der Welt mit allen anderen gut auskomme. Dazu brauche ich niemanden, der mir droht, was nach meinem Tode sonst mit mir passiert. Mir reicht die Erklärung, dass ich in diesem Leben ein Problem mit meinen Mitmenschen bekomme.
Wir sind heute mit soviel mehr Erfahrungen beladen als die Leute vor ein paar hundert Jahren, vielleicht können wir das inzwischen auch mal ohne einen Befehl von Oben.
Zudem sehe ich es als problematisch an, da die Religionen uns eben nicht nur Weisungen erteilen, wie wir mit anderen Menschen gut auskommen, sondern durchaus auch Regeln, die in einer heute existierenden Welt ihren Zweck verloren haben. Das wiederum zeigt, dass selbst die Grundsätze der Religionen menschengemacht sind – und die meisten bemühen ein Weltbild, das stark an seiner Aktualität eingebüßt hat.

Ich bin mir sicher, dass Gott mir aus meiner Not geholfen hat!
Manchmal treffen Ereignisse zusammen, Zufälle eben (siehe unten). Nur, weil man in den letzten Monaten zu Gott gebetet hat, hat man eine neue Arbeit gefunden? Wäre es wirklich anders gewesen, hätte man alle Anstrengungen getätigt, nur das tägliche Gebet durch etwas anderes ersetzt? Kann man es wissen? Wenn ich jetzt feststelle, dass ich im letzten Monat mehr Sex hatte, und mein Kühlschrank jetzt nicht mehr so laut brummt... besteht da ein Zusammenhang? Offenbar sind zukünftige Chefs beeindruckter von Selbstgesprächen als Kühlschränke vom Geschlechtsverkehr! Sachen gibt’s!
Ich denke, der Glauben an eine Hilfe von Oben kann durchaus etwas bewirken, allerdings mehr als Form der Hilfe zur Selbsthilfe. Im oben genannten Fall kann es ja so sein, dass man entspannter zum Vorstellungsgespräch gegangen ist, weil man sich sicher war, dass Gott mit im Boot sitzt. Dann aber wäre Gott dennoch nicht real vorhanden, sondern lediglich eine Projektion der Menschen.

Es gibt keine Zufälle.
Da muss ich klar sagen: Halte ich grundsätzlich für falsch. Es ist bekanntlich eine ganz entscheidende Frage, wonach man sucht. Zum Beispiel die berühmte Suche nach der Zahl 23: Wenn man die Mathematik nur weit genug ausreizt, dann kann man jede Zahl aus der 23 und ihren Faktoren, Ziffern und der Quersumme berechnen und so in seinem kompletten Leben von den Illuminaten verfolgt werden, ganz gleich ob es sie gibt oder nicht. Wenn man jetzt der Behauptung nachgeht, dass das vielleicht gewollt sei, dass man das merkt: Was ist mit all den zufälligen Übereinstimmungen, die nie jemand erfährt? Gibt es vielleicht in Indien einen Menschen, der gleich alt ist wie ich und das selbe tut wie ich und so heisst wie ich? Wohnen in meiner Nachbarschaft vielleicht 100 Leute mit den selben Initialen? Wenn ich es nie rausfinde, war das dann auch göttlicher Wille? Wenn ja, was unterscheidet den göttlichen Willen vom Zufall? Wenn ein Gott Ereignisse schafft, die man nur mitbekommt, wenn man danach sucht, dann liegt die Definition doch wieder in unserer Hand.
Beispiel: Es ziehen etliche Hurrikans über die USA hinweg. Kathrina traf New Orleans – was im Laufe der Zeit einfach wahrscheinlich war – und homophobe Sektenanhänger sahen darin eine Strafe für ein bevorstehendes Schwulenfestival. Ein Monat später wäre es vielleicht die nachträgliche Rache gewesen, zwei Monate später wäre eine Synagoge oder so eingeweiht worden... der Mensch neigt dazu, Kausalketten zu erschaffen, wenn ihm etwas nicht geheuer ist. Es gibt da ebenso noch die Behauptung, Shakespeare hätte als höchste Kunstvollendung enorm viele Alliterationen in seine Werke eingebaut. Auch hier deckt sich die Menge mit der Zahl, die zufällig auftreten würde, und zwar sehr sehr genau. Ein Super-GAU in einem AKW passiert statistisch alle 10000 Jahre, trotzdem hat es bis zum ersten keine 40 gedauert. Zudem gewinnen wöchentlich hunderte Menschen im Lotto, obwohl die Chancen für jeden einzelnen gegen Null gehen – und unter den Gewinnern sind sogar Atheisten.

Gott hat zu mir gesprochen.
Die Menschheit macht seit Jahrtausenden etwas sehr bedeutendes – abgesehen von essen, trinken, jagen und sich selbst das Leben schwer – sie nimmt Drogen.
Drogen sind wahrscheinlich der beste selbst nachvollziehbare Beweis, dass sich das menschliche Gehirn durch Einflüsse von außen täuschen lässt. Dinge zu sehen, zu hören und zu fühlen, die nicht allgemein wahrgenommen werden, sondern persönliche Auslegung des Gehirns sind, ist ein Phänomen, das ziemlich häufig vorkommt.
Im Bereich der Naturreligionen mag der ein oder die andere darauf verweisen, dass die „heiligen Pflanzen“ von Gott, den Geistern etc. dazu geschaffen wurden, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, aber was ist mit der Moderne? Synthetisch hergestellte Drogen mit wesentlich mehr Wirkung – geschaffen von Menschenhand? Was macht den Glauben attraktiver, dass ein unheimliches Wesen mit mir spricht anstatt der Tatsache, dass sich mein Gehirn von irgendetwas hat beeindrucken und überrumpeln lassen? Ist es vielleicht doch nur die Angst vor der Tatsache, dass man nicht perfekt ist? Dass das eigene Gehirn fehlerhaft ist?

Dann diese Lieblingsfrage von Schöpfungsjüngern:
Wie sollte der Urknall aus dem Nichts heraus entstehen?
Eine gute Frage, aber eine Antwort darauf hat niemand.
Aber wie wäre es mit der Gegenfrage: Wie ist Gott entstanden?
Wenn ich davon ausgehen kann, dass ein Gott in Ewigkeit oder im ewigen Nichts existiert und dann daraus eine Welt erschafft, dann kann ich auch davon ausgehen, dass die Welt so aus dem Nichts heraus entstand. Wissenschaftliche Erklärungen reichen (noch?) nicht soweit, um sicher zu beschreiben, was in einem Umfeld war, in dem keine der heute bekannten physikalischen Regeln galt. Theoretisch ist dort also alles möglich, vielleicht auch Materie aus Nichts. Bescheuerter als der Glaube an ein Wesen, das in dieser feindlichen Umwelt den ganzen Kram auch noch selbst erledigt, ist es nun wirklich nicht.

Bisher habe ich noch keinen einzigen Grund gehabt, an einen Gott zu glauben. Und bevor jemand auf die Idee kommt: Nein, auch mir sind schon wunderbare Dinge wiederfahren!
Ich halte mich für einen sozialen, gewissermaßen "guten" Menschen, und wenn ich ehrlich bin, dann erschreckt mich die Tatsache ein wenig, dass einige meiner Artgenossen wahrscheinlich nur nett sind, weil sie sich dafür ein Ticket ins Paradies erhoffen. Ich halte Religionen schlicht für ein Überbleibsel aus der nicht gerade zivilisierten Vergangenheit meiner Spezies.

Ich hoffe, ich habe meine Meinung klar zum Ausdruck gebracht ohne Menschen persönlich angegriffen zu haben. Mir geht es nicht darum zu behaupten, dass religiöse Menschen schlecht oder dumm sind – unter den Idioten mischen auch genug Atheisten mit, und es gibt genügend clevere aber gläubige Menschen.
Ich hoffe, ich habe klar erläutert, was mich stört an Religionen, und dass die Kritik nicht grundsätlich auf einem „Find ich aber doof!“ beruht, sondern einen Hintergrund hat.
Ich weiss natürlich sicher: Wer strikt gläubig ist, wird mit mir schwer einer Meinung sein, ich hoffe aber, dass das nicht daran hindert, vernünftig zu miteinander umzugehen.

Natürlich freue ich mich über Kommentare.

von Sash veröffentlicht in: Religion
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Kommentare

hei ho, mal ein kommentar aus dem off :-)

deine kritik am glauben hat vieles für sich! aber zu dem thema muss ich meinen senf dazugeben!

ich glaube auch nicht an gott, den willen (als gottähnlche "institution") oder sonstirgendetwas. ich glaube sogar nicht mal an das "gute" oder "böse".

viele menschen in meiner umgebung setzten gott mit der fähigkeit zum freien denken (-> in form vom freien willen) gleich, doch wenn man bedenkt, dass der freie wille (philosophisch betrachtet) die fähigkeit zum vernünftigen handeln ist. um vernünftig zu handeln muss man sich von allem absagen, was einem glückseligkeit verschaft, weil dieses handeln nicht dem kategorischen imperativ nachkommt! (begründe dein handeln aus der form eines vesetzes und nicht nicht aus dessem inhalt) somit wäre alles was du tust, was du als gut oder schlecht einstufst (was so ziemlich alles ist was man tut) irgendwo nicht vernünftig und somit nicht gottesgleich (oder göttlich oder sonst irgendwas)
naja und da die religion (zumindest der christliche glaube von einem guten gott ausgeht, funktioniert da irgendwas nicht... wenn gott gut ist, dann ist er nicht vernünftig aber wenn wir menschen nicht vernünftig sind, sind wir von gott entfernt...

jetzt hätte ich noch ein kleines (für mich schönes und letztendlich mich überzeugendes argumentchen, dass es was allmächtiges nicht gibt!):
[ich weiß, dass die meisten damit jetzt gleich nichts anfangen können]
naja gott hat ja den anspruch allmächtig zu sein, aber die allmächtigkeit ist schon ein widerspruch in sich. genau wie man in der (mathematischen) mengenlehre keine menge finden kann, weil es (beweisbar!) keine allmenge geben kann, so meine ich, dass allmächtig noch weit mehr is, als eine allmenge, und wie kann man allmächtigsein, wenn man nicht mal eine mende finden kann, die alles enthält... (betrachte alle fähigkeiten eines allmächtigen gottes, was ja alles wäre...versuche diese fähigkeiten in eine menge, z.b. "diese menge an fähigkeiten gehört zu gott", zusammenfassen, und schon hat man einen widerspruch!)

naja das war von meiner verwirrten seite!

PS: ein beweis ist nicht, dass man sachen experimentell nachstellen kann, das wäre eine approximation der wirklichkeit. ein beweis an sich ist eher eine aus logischen denken begründete struktur, dass die zu beweisende sache bei diesen vorrausetzungen nicht anders existieren kann.... einfacher gesagt, man schließt logisch aus vorrausetzungen... (und um kritische zu besänftigen, die grundvorrausetzungen sind axiomatisch, aber nicht fest... man kann sie austauschen und verändern, dann bekommt man halt was anderes raus, und an die leute, die hier gott suchen, mein gegenargument wäre noch länger und doch etwas zu lang für hier)


grüße bär


PPS: das ist kein angriff auf gläubige, nur ein versuch sich selbst klarzumachen, dass mich nicht unbegründet nicht-glaubt!
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: bär am: 18.05.2008 10:47:20
habe gerade einen fehler entdeckt, in zeile 8 (nur textzeilen gezählt) steht"... aus der form eines vesetzes..." sollte aber "... aus der form eines gesetzes..." heißen...


bär


PS: freue mich auf reaktionen!
Kommentarnr.: 2 Gepostet von: bär am: 18.05.2008 10:52:59
Ein sehr interessanter Artikel, da gäbe es viel zu kommentieren ;-).

"Wieso glaube ich ausgerechnet etwas, das hundert-, tausendfach vor mir schon geglaubt wurde? Was veranlasst mich dazu, ein eigenes Weltbild aufzugeben zugunsten eines vorgefertigten?"
Vielleicht die Geborgenheit, die das (Ur-)althergebrachte, Vorgefertigte vermittelt? Zumindest vielen Menschen.

"Warum müssen diese Wesen stets den Anspruch haben, man müsse auch ohne Beweis an sie glauben?"
Das Wort Glauben ist ja gleich 'nicht wissen'. Sonst würde man sagen "ich weiß".

„'Ich bin mir sicher, dass Gott mir aus meiner Not geholfen hat!'
Manchmal treffen Ereignisse zusammen, Zufälle eben (siehe unten). Nur, weil man in den letzten Monaten zu Gott gebetet hat, hat man eine neue Arbeit gefunden?"
Das Beten mit dem Rosenkranz hat nachgewiesenermaßen (!) einen blutdrucksenkenden Effekt. Ich vermute, beten, als eine Form der Meditation oder des Zwiegesprächs (mit einem angenommenen Gegenüber, mag es nun existieren oder nicht) kann sehr positive Wirkungen entfalten und Kräfte wecken. Gläubige würden das natürlich niemals als Placeboeffekt bezeichnet wissen. Und vielleicht sollte man, in der Medizin wie auch in religiösen Fragen, es gar nicht zu sehr verbreiten, dass der Placeboeffekt (und dazu gehören z. B. der weiße Arztkittel, Schamanenrituale etc.) mindestens genauso große Wirkung hat wie nachweislich wirksame Arzneistoffe.

Religion bedeutet - trotz des unendlichen Leids und Elends,das in ihrem Namen begangen wurde - dennoch auch Kultur: Die größten kulturellen Errungenschaften (bes. im sprachlichen, künstlerischen Bereich) haben wir ihr zu verdanken. Wenn man Kriege nicht im Namen Gottes geführt hätte, so hätte man einen anderen Vorwand gefunden, sie anzuzetteln. So ist der Mensch ...

Gruß
sprechakt
Kommentarnr.: 3 Gepostet von: sprechakt (Website) am: 18.05.2008 11:01:39
@Bär:
Wow, das war ein Logik-Crash-Kurs, den ich erstmal verdauen muss :) Ich finde es aber interessant, dass von deinen Bekannten einige Gott als freien Willen einschätzen. Irgendwie bin ich aber auch der Meinung, dass das nicht der Fall sein kann. Den Widerspruch zwischen "gutem Handeln" und dem katagorischen Imperativ verstehe ich nicht so ganz. Klar, manchmal erscheinen einem auch Dinge gut, die dem nicht entsprechen, aber per se ausschliessen tut es sich doch auch nicht.
Die logische Schlussfolgerung mit der Allmächtigkeit war mir auf die Schnell etwas viel, aber mich erinnert das Ganze an die alte (Scherz-?) Frage, ob Gott einen Stein erschaffen kann, den er nicht selbst anheben kann. Wie auch immer: Er wäre nicht allmächtig.
Das Problem an den mathematischen Spielereien und aller Logik ist aber bisweilen, dass Gläubige es per se ausschliessen, dass sich ein Gott so beweisen lassen muss. Ist ja auch ein anderes Terrain, zugegeben. Das führt eben zu den bekannten Problemen: Jeder kann nur aus seinem eigenen Bezugssystem heraus argumentieren, und damit ist eine Einigung so gut wie ausgeschlossen. Man hat es schon schwer...
Kommentarnr.: 4 Gepostet von: Sash (Website) am: 18.05.2008 19:55:19
@sprechakt:
Ja, wie wahr: Hier kann man sich um Kopf und Kragen kommentieren, wenn man will :)
Ich denke auch, dass Religion mit "Althergebrachtem" Geborgenheit vermitteln. Die Frage ist für mich persönlich eben die, ob ich das nicht für Einlullung halten soll.
Dass Glauben nicht wissen ist, ist klar. Hier muss ich allerdings anmerken, dass viele Gläubige einen enormen Eifer an den Tag legen, Dinge zu verteidigen, von denen niemand weiss, ob es sie gibt. Ich finde das gleichermaßend erstaunlich und seltsam.
Beim Placebo stimme ich zu: Alles was wir nicht wissen, könnte uns das Leben retten ;) Ich denke nur, dass Religionen ja leider nicht nur Heil versprechen. Ich denke, es ist klargeworden, dass ich die Religion nicht herabwürdige auf kriegswütige Fanatiker, aber wenn man betrachtet, dass diese Seite auch dazugehört, dann frage ich mich eben manchmal, ob das Placebo für den einen aufrecht erhalten werden soll, wenn der andere es zum Kampf verwendet.
Bei der Kultur kann ich grundsätzlich zustimmen. Natürlich haben die Menschen im Namen der Religion große Kunst geschaffen, die Sprache (fort-)entwickelt etc. Aber selbst hier habe ich ein Problem (ich weiss, ich bin schlimm!): Denn viele (technische) Errungenschaften hat uns zum Beispiel der Krieg beschert - was ich für kein Argument halte, Krieg zu führen. Und: Wie hätte sich die Kultur entwickelt, wenn es die Religion nicht gegeben hätte? Wie konzentriert hat sich der Mensch entwickelt binnen der letzten, vergleichsweise säkularen, hundert Jahre? Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob die Religion da nur positiven Einfluss hatte.
Aber gut, es stimmt schon: Kriege würden die Menschen auch so. Dazu bedarf es wahrlich keiner Religion. So ist der Mensch wirklich...
Kommentarnr.: 5 Gepostet von: Sash (Website) am: 18.05.2008 20:06:41
Ja- ganz viel harter "Tobak"- trotzdem, ich habe mich tatsächlich erst mit 38 Jahren zum evangelischen Glauben taufen lassen. War lange Zeit ( so von 12-17) glaub ich, Atheist. Aber im Laufe der Jahre bin ich doch überzeugte Gottesgläubige und vor allen Dingen Jesusfan geworden..und hierfür gab es viele Gründe und Geschehnisse... über die Moral hätte ich da heute einen Artikel : und die Moral der Geschicht...vielleicht schaut ihr ja mal rein
Kommentarnr.: 6 Gepostet von: mar-sho (Website) am: 20.05.2008 21:49:17
Es ist wichtig, dass ich diese Zeilen denjenigen widme, die mich atmen lassen, die mein Leben sind. Denjenigen, die mich vor dem Ertrinken erretten, die mich nicht in der Vergessenheit, dem Nichts und der Verzweiflung versinken lassen. Jeden Tag vertraue ich mich Gott, Jesus und der Jungfrau Maria an. Ich empfehle meine Kinder Gott, damit der Glaube immer mit ihnen sei und sie sich niemals von ihm entfernen mögen.
das sind Worte einer Tochter,einer Mutter die seit 2002 in Gefangenschaft der Farc ist. Was denkst du, was sie am Leben erhält? www.buuddhismus-als-lebenshilfe.over-blog.com
Kommentarnr.: 7 Gepostet von: mar-sho (Website) am: 25.05.2008 18:31:05
Ich denke, dass es wohl das ist, was ich in meinem Text geschrieben habe: Der Glaube kann auch als "Hilfe zur Selbsthilfe", eventuell als Placebo funktionieren. Ich will auch nicht bestreiten, dass es vielen Menschen durch ihren Glauben besser geht als ohne ihn. Aber ich sage auch, dass das nicht zwingend bei allen funktioniert, dass es nicht zwingend heissen muss, dass der "Inhalt" ihres Glaubens einer objektiven Wahrheit entspricht und dass deswegen jeder selbst entscheiden muss, welchen Weg er wählt.
Kommentarnr.: 8 Gepostet von: Sash (Website) am: 25.05.2008 23:12:13
schade sasha, ich hatte gehofft, das Schicksal dieser Frau würde dir einmal an dein kleines Herzchen gehen... kannst du dir vorstellen, seit 2002 in Händen von Menschen zu sein, die dir sagen, befehlen- wo du dein "Ei" hinlegen sollst? Ist der Glaube, Jesus, nicht der Mensch, der nicht nur sich selber gesehen hat, so wie du? Ist es nicht egal, Christ, Katholik, Buddhist- wenn wir uns einsetzen für Menschen die in Not sind? Müssen wir also genau diese Menschen angreifen, weil sie an etwas glauben, weil sie hoffen,weil sie helfen? Warum nimmst du dir nicht die Fußballer vor, die nichts abgeben von ihrem Glauben an den BALL? oder die Leute die bei Dolce und Gabana oder Dior kaufen, wäre doch auch mal ne Gruppe, die man angreifen könnte? oder nicht? ( oder haut das dann nicht hin mit deinem Rang platz?)
Kommentarnr.: 9 Gepostet von: mar-sho (Website) am: 26.05.2008 16:28:19
Sorry, ich bin beileibe nicht der Meinung, dass die Religion das schlimmste Übel ist. Und so zynisch ich hier auch oft schreiben mag: Ich bin mir sicher, dass ich nicht nur ein kleines Herz habe. Ich bin mit Sicherheit kein perfekter Mensch, das sollte aber auch niemand von sich behaupten. Ich kann auch in meinen jungen Jahren und mit meiner atheistischen Grundhaltung mit sehr gutem Gewissen sagen, dass ich vielen Menschen geholfen habe, und - meine Freunde mögen mir hier wenn nötig widersprechen - die meisten Menschen, die mich kennengelernt haben, sind der Meinung, dass es kaum einen lieberen Menschen gibt als mich. Zugegeben, davon merkt man hier nicht viel, weil ich hier eben gerne die Dinge thematisiere, die ich für bedenklich, fragwürdig, seltsam oder auch verachtenswert halte. Bei dieser Mischung passiert es leider auch mal, dass Dinge nebeneinander stehen, die vielleicht in ihren Auswirkungen und in der Art nichts miteinander zu tun haben.
Wenn wir uns für Menschen in Not einsetzen, dann ist die Religion in der Tat kein Grund, es "anzugreifen".
Und: Profikicker, die nur den Ball (oder doch nur das Geld dahinter?) haben, halte ich für ähnlich traurig wie so vieles auf dieser Welt. Auch das schreibe ich bisweilen ja. Abgeben müssen diese Menschen mir aber eigentlich nichts. Ich bin mit allem - sagen wir dem Thema entsprechend - "gesegnet", was ich mir wünsche.
Ich kann versichern, dass die Welt, wenn sie meinem Freundeskreis entsprechen würde, keine Religion bräuchte, um gut zu sein. Und das ist der Punkt, an dem ich eben wieder fragen muss: Was soll daran schlechter sein als am Glauben an einen Gott?
Kommentarnr.: 10 Gepostet von: Sash (Website) am: 27.05.2008 00:25:55
Ich vergaß noch etwas, sorry: Nein, ich kann es mir nicht vorstellen, mehrere Jahre in Gefangenschaft zu sein. Weder in der Hand einer Rebellentruppe, noch in einem "gut geführten" deutschen Knast. Meine Freiheit ist mir in der Tat sehr wichtig, und ich versuche zu vermeiden, in eine Situation zu kommen, in der jemand mir befiehlt, wo ich "mein Ei hinlegen" soll.
Tatsächlich geht mein Freiheitsbedürfnis weit über das hinaus und hat erst an dem Punkt seine Grenzen, wo ich die Freiheit anderer verletze.
Und deswegen würde ich selbst als überzeugter Atheist niemandem seinen Glauben ausreden wollen. Ich sage höchstens, was ich daran seltsam, vielleicht erschreckend, oder in Extremfällen furchtbar finde.
Das Einzige, wobei ich mir diesbezüglich sicher bin, ist dass auch der Glauben - und dessen Praktizierung vor allem - dort Grenzen haben muss, wo er die Freiheit der anderen beschränkt. Da gebe ich zu, keine Kompromisse zu machen. Ansonsten ist dies alles ein nettes Diskussionsthema, bei dem ich im Übrigen sehr erfreut bin, dass es hier trotz unterschiedlicher Meinungen mal nicht zu Schlammschlachten kommt.
Kommentarnr.: 11 Gepostet von: Sash (Website) am: 27.05.2008 00:35:42
Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, über so etwas wie einen roten Faden in Ihrem Leben nachzusinnen?
Kommentarnr.: 12 Gepostet von: Winfried Schley (Website) am: 7.06.2008 18:28:39
Schwer zu sagen. Ich habe mir durchaus Gedanken über mein Leben gemacht, über Dinge die ich erreichen oder machen will und einiges andere mehr.
Ist der rote Faden im Bezug auf ein ganzes Leben von ihnen eher im Sinne von "Prinzipien" zu verstehen oder geht es um konkrete Handlungen?
Über mein Leben nachgedacht habe ich eine ganze Weile, auch wenn mein Alter, mein Beruf und mein oft trotziger Blog das nicht erwarten lassen.
Da das Thema Glaube war: Darf ich annehmen, dass sie erwarten würden, ich würde beim Nachsinnen über den roten Faden auf den Glauben stoßen, oder hatte das jetzt gar nichts mit dem Thema zu tun?
Kommentarnr.: 13 Gepostet von: sash (Website) am: 7.06.2008 21:04:45
Nein, es geht um Lebens-Stationen, Entwicklungsphasen, Ereignisse, Begegnungen und Ähnliches, die Sie zu dem gemacht haben, der Sie im Augenblick sind.
An welchen Knotenpunkten Ihres bisherigen Lebens lag der Akzent weniger auf dem, was Sie werden oder erreichen wollten, sondern auf der wesentlich wichtigeren Frage, welcher Mensch will ich sein?
Kommentarnr.: 14 Gepostet von: Winfried Schley (Website) am: 8.06.2008 07:36:19
Das ist so auf die Schnelle schwer zu beantworten. Es fällt mir schwer, Beispiele zu finden - für beides. Ich glaube allerdings, dass ich in der Tat immer schon einen stärkeren Akzent auf die Frage, wer ich sein will (auch wie ich sein will) gesetzt habe.
Die Beispiele gehen aber mitunter ziemlich weit in den privaten Bereich, sodass ich sie hier nicht breittreten will. Um damit nicht das Gespräch abzuwürgen:
Ich bin überzeugt, mein bisheriges Handeln war - insbesondere an "Knotenpunkten" meines Lebens zumeist weniger bestimmt von der Frage, was ich erreichen will, sondern eher von der, wer ich sein will.
Worauf wollen sie hinaus?
Kommentarnr.: 15 Gepostet von: sash (Website) am: 8.06.2008 10:01:45
Sie schreiben sehr griffig, aber nach meinem Eindruck zu Einzelaspekten ohne durchgehende innere Linie.
Vergleichen Sie mal:
http://winfried.schley.over-blog.net/article-14178762.html
http://winfried.schley.over-blog.net/article-14590329.html
http://winfried.schley.over-blog.net/article-15799909.html
http://winfried.schley.over-blog.net/article-17004182.html
http://winfried.schley.over-blog.net/article-18332498.html

(Wenn Sie unter Ihrer Konfiguration bei Kommentaren den HTML-Code zugelassen hätten, könnten Sie jetzt direkt draufklicken.)
Kommentarnr.: 16 Gepostet von: Winfried Schley (Website) am: 8.06.2008 18:46:09
Sie sind ein feinsinniger Beobachter. Fürwahr schreibe ich ohne eine durchgehende innere Linie. Das ist wahrscheinlich tatsächlich ein Ausdruck meines Ich. Ich bin zwar mitnichten Opportunist, Fähnchen im Wind oder dergleichen, aber durchaus im Begriff, mir meine Meinung auch mit allen Einflüßen von außen zu vervollständigen. Da kommt es mit der Zeit auch zu widersprüchlichen Aussagen. Etwas, das ich deswegen aber nicht zu verstecken gedenke.
Ich habe gerade die hier "verlinkten" (werde html wahrscheinlich doch zulassen, sie haben recht, es wäre praktischer) Artikel von ihnen gelesen.
Es ist offensichtlich, dass ihre innere Linie ein wenig intakter ist als meine ;)
Ich weiss aber ehrlich gesagt immer noch nicht, worauf sie hinauswollen. Mir ist bewusst, sie sind religiös, und mein Artikel lehnt den Glauben ab. Ich nehme an, sie wollen mir einen Vorteil vermitteln, den Glaube bietet, oder etwas anderes grob in diese Richtung. Vielleicht liege ich aber auch falsch.
Ich möchte nicht ungeduldig wirken, aber mich würde die Quintessenz ihrer Fragen nach meinem inneren roten Faden interessieren. Was hat sie dazu bewegt, mir zu schreiben?
Kommentarnr.: 17 Gepostet von: sash (Website) am: 8.06.2008 23:21:33
Auf Ihren Blog gestoßen bin ich auf ganz banale Weise. Overblog hatte Sie in seiner Hitliste und ich wollte wissen, was die Leute an Ihnen so interessant finden. Dabei entdeckte ich das Stichwort Religion und Ihren Gottesartikel, der vordergründig den Eindruck erweckt, als sei das für Sie ein abgeschlossenes Kapitel.
Und genau darin besteht mein Wunsch, nämlich, dass die Gottesfrage Sie Ihr ganzes Leben lang tief in Ihnen drin immer wieder neu und anders begleiten möge. Ich bin überzeugt, sie gehört zu Ihrem Wesen. Jede andere Verhaltensweise wäre Verdrängung.

vgl. Atheist auf Zeit (! oder?)
Kommentarnr.: 18 Gepostet von: Winfried Schley (Website) am: 10.06.2008 06:10:57
Nun, ich nehme fast an, dass ich sie da enttäuschen muss, aber: man sollte ja niemals nie sagen.
Denn natürlich habe ich mich mit der Thematik immer mal wieder auseinandergesetzt, ich tue es ja auch, während ich ihnen schreibe. Über einen pubertären Protest-Atheismus im Stile "Die Kreuzzüge waren böse, deswegen sind Christen scheiße!" bin ich aber doch deutlich hinaus.
Bei allen zynischen und bösen Worten bin ich überzeugt davon, dass ich ein sehr sehr angenehmer, will fast sagen: guter Mensch bin, und damit gesellschaftstauglich. Grundsätzlich aber eher sachlich und rational. Ich lebe sehr gut mit dem Gedanken, dass ich hier auf der Erde nur ein paar Jahre habe und es danach vorbei ist. Im Gegensatz zu vielen anderen mit dieser Einstellung sehe ich das aber nicht als Grund, mich für völlig unwichtig zu halten oder gar zu glauben, die Welt geht  mich nichts an.
Ich führe das aus, weil ich glaubhaft machen will, dass ich als Atheist nichts von dem vermisse, was Glauben einem in aller Regel gibt. Trotz der für mich finalen Bedeutung habe auch ich keine Angst vor dem Tod, ich finde Erfüllung, Bestätigung, Liebe in meinem äußerst unspektakulären Privatleben und obwohl am Geldende immer noch so viel Monat übrig ist, bin ich der Meinung, mir fehlt es an nichts.
Ich denke, es ist extrem unwahrscheinlich, dass wir diesbezüglich mal die gleiche Auffassung vertreten werden.
Glauben sie wirklich, das muss Verdrängung sein?
Sehen sie, ich finde die Unterhaltung hier sehr anregend, aber Sätze wie diesen finde ich fragwürdig.
Was wäre schlimm daran, wenn mich die Frage nach Gott nicht begleiten würde? Wenn ich für mich zur Überzeugung gelange, es gibt keinen Gott?
Diese Aussage impliziert einfach, dass meinem Leben damit irgendetwas fehlen müsste, und das werde ich schon irgendwann merken. Eben das sehe ich nicht so. Ich bin der Meinung, dass ich diesen Aspekt aus meinem Leben ohne Nachteile ausklammern kann. Würde ich mich nicht gelegentlich mit Gläubigen unterhalten, hätte diese Thematik keine nennenswerte Bedeutung für mich.
Sie sind nun schon einige Jahre älter als ich. Haben sie die Gottesfrage abschließend für sich geklärt?
Kommentarnr.: 19 Gepostet von: sash (Website) am: 10.06.2008 11:50:21
Zukunft und Leben sind immer offen, somit auch die Gottesfrage. Für einen gottgläubigen Menschen wie mich ist deshalb die Frage nach Gott zeitlebens niemals endgültig abgeklärt. Ich staune jedes Mal aufs Neue über den unerschütterlichen Nichtgott-Glauben überzeugter Atheisten.
Kommentarnr.: 20 Gepostet von: Winfried Schley (Website) am: 11.06.2008 05:58:17

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