Sashs Blog

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Ich schreibe hier über unterschiedlichste Dinge, deswegen möchte ich allen Interes-senten an einem bestimmten Thema nahelegen, sich in diesem Fall ein Stückchen unter diesem Text die betreffende Kategorie anzeigen zu lassen. Wer dies unterlässt, muss auch den ganzen anderen Mist lesen...

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Im Gegensatz zum supertrockenen April zeigt sich der Mai von seiner regnerischen und bewölkten Seite. So, damit hätten wir das Thema Wetter einmal mehr abgehakt. So langsam naht wieder die Demo-reiche Zeit hier in der Gegend und so kann ich gleich von zwei Demos berichten:

Zum einen natürlich die übliche erste Mai-Demo. Das "üblich" schreibe ich bewusst, da es einfach inzwischen fast schon zu einer Art folkloristischer Tradition geworden ist, bei der man sich manchmal fragt, ob auch wirklich alle, die an diesem Tag den Arsch hochkriegen um sich zu beschweren, wirklich was ändern wollen. Unter anderem deswegen hat sich zum fiesen Untergrundblock in der DGB-Demo in Stuttgart langsam mal wieder eine revolutionäre Demo etabliert, bei der dann die Leute am Start sind, denen wirklich mehr gegen den Strich geht als "ich hab letzten Monat 3,50 Euro weniger Lohn gekriegt". Natürlich ist diese Demo um einiges kleiner, aber für dieses Jahr kann man sagen, dass sie um einiges spaßiger war. Insgesamt hatten wir eine mindestens doppelt so lange Route wie der DGB und die Demo war die ganze Zeit laut und bunt. So wie eine schöne Demo halt sein sollte. Es gab kurze Rangeleien, als die Polizei uns die genehmigte Route nicht laufen lassen wollte - allerdings ohne zu großen Stress oder Prügelorgien. Der ein oder andere Cop teilte zwar auf das Argument, es handele sich um eine angemeldete Demo "angemeldete" Schläge aus, aber davon hat sich keiner ernstlich provozieren lassen. Dazu war wirklich bombiges Wetter, was die Sache zwar anstrengend aber doppelt so geil gemacht hat. So kann es die nächsten Jahre wieder sein!

Und dann kamen die Durchsuchungen...

Das gesamte linke, halblinke und bisweilen auch rechte Deutschland mobilisiert und plant Aktionen gegen den in nicht mal mehr einem Monat stattfindenden G8-Gipfel in Heiligendamm. Die Tatsache, dass ich noch keinen Schrieb mit Meldeauflagen gekriegt habe, bestätigt mich in der Ansicht, dass ich unterschätzt werde oder doch nicht so gefährlich bin, wie ich dachte. Naja, wie dem auch sei: Der Sash wird auch am Start sein. Den Cops scheint das insgesamt aber - sprich: dass tausende andere das auch vorhaben - nicht so recht zu behagen. Just jetzt kurz vor dem Gipfel wurde am 9. Mai in einer Großaktion von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht, was es nur zu durchsuchen gab. Gesucht wurden eigentlich zwei Gruppen, die für ein paar Brandanschläge zu Ungunsten einiger Kraftfahrzeuge verantwortlich gemacht werden. Dazu wird davon ausgegangen, dass dem G8-Gipfel ein Anschlag bevorsteht. Wer sich die Mühe gemacht hat, mal zu lesen, wie Heiligendamm gesichert wird während des Gipfels, der würde auch amerikanischen Militäreinheiten davon abraten, zu versuchen an den Tagungsort zu gelangen. Zusätzlich zu einem etliche Millionen teuren Zaun werden 16.000 Polizisten und ein paar Kriegsschiffe das Spektakel abschirmen gegen jede Art öffentlicher Meinungsbekundung und Waffengewalt. Kein Linker glaubt im Ernst daran, dass der Gipfel angreifbar ist! Dennoch wurden nun Buchläden (wegen eines frei verkäuflichen Buches), Büros, Wohnungen, Kulturprojekte etc durchsucht. Die Polizei sagt selber, dass sie "in den Busch geschossen" hätten, und nun darauf warten, wer und was sich da wo bewegt. In diesem Zusammenhang sollte mal bemerkt werden, dass Durchsuchungen nur auf einen konkreten Verdacht hin erflogen dürfen und nicht um mal zu gucken, was jetzt passiert. Mit der Aktion allerdings haben sich die Behörden selber ein Ei gelegt, denn von einem Abflauen des Protestes kann man wirklich nicht sprechen. Tausende sind bundesweit - und in einigen Nachbarländern auch - gegen die Razzien auf die Straße gegangen, es gab Straßenschlachten, Verletzte, etc. Ich muss ein bisschen zynisch anfügen, dass es völlig gesichert ist, dass es die ohne die Durchsuchungen nicht gegeben hätte.

Und so kam es dann sogar in Stuttgart am gestrigen Abend zu einer sehr sehr spontanen Demo gegen diesen Versuch, die vielleicht überdenkenswerte Kritik am G8 zu illegalisieren. Binnen vielleicht 7 oder 8 Stunden ging die Info durch die Stadt und auch wir waren schon um kurz nach halb acht am Schloßplatz. Wir haben ein wenig geflachst, dass die Cops wohl schon warten und so weiter. Bei uns sammelten sich - etwas abseits vom eigentlichen Treffpunkt - vielleicht 20 Leute an einer Bank an, und Punkt 20 Uhr rückten die Ordnungshüter an und sammelten erstmal alle Ausweise ein. Sie haben nur kurz rhetorisch gefragt, was wir machen würden - es war klar, dass auch die Cops indymedia ausführlich gelesen haben. Etwa eine Viertelstunde standen wir relativ planlos da und währenddessen war zu bemerken, dass sich überall kleine Grüppchen auffälliger Leute sammelten. Diese begannen dann irgendwann mit dem Verteilen eiligst erstellter Info-Blätter an die Passanten, die sich auch etwas wunderten, warum da eine kleine Gruppe von Grünen umzingelt war. Der Titel des Flugblattes "Alles Terroristen?" passte da wohl unglaublich gut. Nachdem wir dann endlich unsere Ausweise wiederhatten, begaben wir und dann doch zum Pavillon, und die Menge an Mitstreitern wuchs recht rasch. Das alles natürlich unter den Augen unauffällig gekleideter Kripo- und Staatsschutzbeamten. Nach einer kurzen Erklärung, warum wir hier sind, wurde ein Transparent mit der Aufschrift "Dagegensein ist kein Verbrechen - gegen die Kriminalisierung der Anti-G8-Bewegung" ausgepackt und los ging es. Wieviele Leute es waren, war unklar. Es waren einige, die nicht hinter dem Transpi liefen, meine Schätzungen liegen irgendwo zwischen 60 und hundert. Auf jeden Fall einige, wenn man bedenkt, dass es noch andere wichtige Treffen an dem Abend gab. Der Zug der Demo kam das erste Mal genau dort ins Stoppen, wo es am 21. Oktober 06 bei der DGB-Demo gerasselt hat: Vor der Kommerzbank. Das Recht auf eine spontane Willensbekundung seitens mehrerer Leute - im folgenden eher Spontandemo genannt - sollte uns nicht ohne weiteres gegeben werden: Vielleicht 5 bis 10 Cops wollten uns aufhalten, scheiterten aber daran, dass sie sich zu sehr auf das Transpi stürzten und die Leute daneben vorbeilaufen ließen. Dann genügte noch ein kurzer Ruck am Stoff und auch das Transpi war wieder unser... Nun verlief alles ein wenig hektisch. Die Cops rannten hin und her und jagten böse Demonstrierer, ich landete einen kurzen Lacherfolg bei umstehenden Passanten als ich rief "Das ist Demokratie, meine Damen und Herren!" und dann war die Königstraße auch schon gesperrt. Binnen weniger Minuten ging rum wo der neue Treffpunkt sein solle (Palast) und schwupps! - waren die Cops das Problem los. Keiner mehr da - jeder in eine andere Richtung weg. Herrlich!!! Wenige Minuten später sammelten sich dann langsam einige Leute am Palast und als die Cops dann zweimal irritiert schauend daran vorbeigefahren sind ging es auch schon wieder los. Diesmal zog die Demo hintenrum zum Bahnhof und ab da kamen die grünbehelmten gar nicht mehr mit. Sie mussten sich damit begnügen, der Demo hinterherzufahren, wobei selbst das bisweilen misslang. Was mich ernstlich überrascht hat, war die Tatsache, dass Passanten oftmals begeistert waren, oder gar Unmut dagegen äußerten, dass die Cops wegen so einer Demo so viel zusammengezogen hatten (inklusive Pferde). Irgendwann wurde die Demo dann am Palast wieder "aufgelöst" und die ersten Leute haben sich ein Bier bestellt etc. Ein erneuter Versuch, sich am Karlsplatz zu sammeln, schlug - naja, nicht fehl, es wurde aber beschlossen, dass wir nun doch ein bisschen wenig Leute haben, und dass wir trotz abgerückter Polizei keine dritte Demo mehr machen werden.

Alles in allem ein fetter Abend mit viel Spaß, ohne ernsten Stress und viel gutem Feedback. Wenn sowas öfter gehen würde, meine Fresse, das wäre geil. Nun ja, ich bereite mich dann aber langsam in den nächsten Wochen auf meinen "Urlaub" in Cuxhaven und Rostock vor und bin mal gespannt, was sonst noch so geht. Weiteres: Hmm, die WG ist gerade nicht der Quell ausgesprochenster Fröhlichkeit, aber ich bin mir da keiner Schuld bewusst. Mir geht es gut! Im Laufe des Abends muss ich noch arbeiten und sonst ist alles beim Alten. Man hört voneinander...
Freitag, 11. mai 2007
veröffentlicht in: Politik
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