Dienstag, 9. oktober 2007
...der wahrscheinlich letzte Luxus der Chaoze-WG.
Hi Leute, hier sitze ich nun als allerletzter Mensch in der seit ein paar Stunden "übergebenen" Wohnung in der Teichstraße 6. Das was die Chaoze-WG war, ist komplett leer. Nur in Ozies (also
meinem alten) Zimmer sind noch ein paar lebenswichtige Utensilien vorhanden, und der Kabelsalat hängt auch noch - sonst würdet ihr dies hier nicht lesen können. Wenn alles planmäßig verläuft,
sitze ich bereits um 6 Uhr in aller Frühe im Bus nach Berlin und hindere Dirk daran, wieder einzuschlafen, weil er noch früher rausmusste als ich.
Die letzten Tage waren grausam, und in kleinen Details dann dennoch schön. Es war grausam viel Arbeit. Natürlich hatten wir hier oder da ein paar Stunden frei, aber irgendwie habe ich mich mit
meiner Rottal-Einstellung durch diese Zeit gerettet. Es musste alles gemacht werden, also haben wir alles gemacht. Vor allen Dingen war es stressig, weil wir letzten Endes genau das hatten, was
wir nie befürchtet hätten: Zu wenige Helfer! Klar, wir haben uns zu wenig darum gekümmert, das will ich nicht abstreiten, aber ein wenig schade war es dann schon, die traurige Resonanz unserer
Appelle zu sehen. Wir hatten hauptsächlich Unterstützung von Ralfs Eltern, Leini, Jörg und Marco.
DANKE AN EUCH!!! Es wäre um sooooooo vieles stressiger gewesen ohne euch! Manch anderer hat mich zugegebenermaßen ein wenig enttäuscht. In den letzten paar Monaten war ich auch selten zur Stelle,
wenn es um Umzüge ging, aber es gab auch andere Zeiten, und irgendwie wundere ich mich, dass manche Leute beinahe täglich die WG besucht haben, sich aber nichtmal für zwei Stunden haben von uns
stressen lassen. Sven sei hier entschuldigt - den trifft es gerade stressmäßig härter als uns...
Ich denke, wir wissen alle, dass sich die WG sehr verändert hat, insbesondere in den letzten anderthalb Jahren. Klar ist es hier ruhiger geworden - zumindest zeitweise - und ich finde es nicht
schlimm, wenn so etwas passiert. Ich denke auch, dass das jeder von sich selbst kennt: Aus Beziehungen, bei Freundschaften oder der Einstellung sich selbst gegenüber. Ich habe selber mitbekommen,
dass die Stimmung in der WG den Bach runtergegangen ist, und daran haben wir alle als Bewohner unseren Anteil gehabt, weil wir auch teilweise zu sehr haben merken lassen, dass wir bald hier
wegziehen. Über der WG hing/hängt ein gigantisches Damoklesschwert mit dem Namen "Geldsorgen", verbunden mit der Aufarbeitung der Tatsache, dass Menschen, die unser Vertrauen genossen haben, sich
zu abartig perversen Arschlöchern entwickeln können, wenn es um diese Probleme geht.
Die Chaoze-WG war nie dagegen gewappnet, betrogen zu werden, und diese Lockerheit sehe ich nach wie vor als das wichtigste und verteidigenswerteste Grundprinzip, das je in dieser Gemeinschaft
existiert hat. Auch ich verbinde mit der Chaoze-WG nach wie vor viele andere Leute und andere Zeiten als die diesige, und ich habe die Hoffnung, dass dieser Lebensabschnitt hier in der
Teichstraße nicht nur mir, sondern auch einigen anderen in guter Erinnerung bleibt und dass alle, die hier gewohnt haben, etwas mitnehmen.
Ich sitze hier alleine in dieser Wohnung, weil ich die letzte Nacht in meiner Heimatstadt hier verbringen wollte - in meinem Zimmer. In meinem ersten eigenen Zimmer, meiner ersten "eigenen"
Wohnung. Ich weiss nicht, ob es noch jemand nachvollziehen kann, wie ich in den ersten Tagen ungläubig vor Freude saß und mit Sven, Jörg, Felix und Steffi gefeiert habe. Wir alle wussten, dass
diese Zeit hier nicht ewig währt, aber irgendwie habe ich geahnt, dass ich einer der letzten sein werde, der diesen traumhaften, weil freien Platz eines Tages wieder verlassen wird. Und siehe da:
Ich bin der allerletzte!
Ralf und Sophie genießen bei Ralfs Eltern eine warme Dusche und ein kuscheliges Bett. Ich hab noch meine Isomatte und zwei Kissen. Und diese Wohnung. Kennt ihr das, wenn ihr nach Jahren an einen
vertrauten Ort kommt, ihr seht euch um und seht überall das, was sich da befunden hat, und nicht, das was jetzt da steht?
Ich kann in dieser Wohnung noch nicht die alte überteuerte Bude sehen, die kaputt und hässlich war. Ich sehe immer noch all die Poster an den Wänden, die kaputten Schubladen der Küche, den
Schmand auf den Fliesen, selbstgebasteltes überall - und ich sehe eine Menge Freude unter den Menschen, die diese Wohnung besucht haben. Es wird eine Weile dauern, bis das wieder eintreten wird.
Vielleicht ist es bezeichnend, dass die kleine Wohnung, in der ich jetzt sitze, ihre Wohnungstüre noch nicht wiederhat. Sie ist offen - immer noch. Und genauso geht es mir auch. Die WG hat so
viel geöffnet, das ist nicht so einfach wieder zu schließen. Ich hänge sehr an der Erinnerung an diese WG in dieser Wohnung - aber ich werde mit Ralf und Sophie in Berlin den Geist der WG
wiederbeleben, aufgreifen, whatever.
Deswegen bleibt der Namen, deswegen bleibt die Page - und deswegen bleibt jeder bei uns willkommen, der in der Chaoze-WG in Stuttgart willkommen war. Wir lassen uns nicht unterkriegen! Es ändert
sich nur die Adresse, nicht unser Herz...
Chaoze forever!
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